Lanz & Precht – Ausgabe Vierundfuenfzig
#054

Ausgabe Vierundfuenfzig

Lanz & Precht / 09. September 2022 / 7 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

In dieser Folge widmen sich Lanz und Precht der Frage, warum Menschen nie genug haben — illustriert durch Ferdinand von Schirachs Geschichte eines Ehepaars, das zweimal im Lotto gewinnt, aber nie auf Weltreise geht. Precht argumentiert, dass die Gier nach materiellem Mehr weder genetisch noch hirnphysiologisch vorprogrammiert sei: Zahlreiche Kulturen weltweit lebten und leben ohne diesen Antrieb, was zeige, dass Unersättlichkeit erlernt und nicht angeboren ist.

„Also wir sind hier nicht ans Kreuz unserer Herkunft geschlagen.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (7)

Genug
Buch

Genug

John Nash

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:47 „Du hast irgendwann mal dieses wunderbare Buch in die Runde geworfen von John Nash. Das steht, glaube ich, bei dir auch in deiner legendären Bücherwand. Und ich habe das dann mal mir zu Gemüte geführt und ich hatte selten so viel Spaß bei der Lektüre eines Buches wie in dem Moment.“

Das Buch von John Nash bildet die thematische Grundlage der gesamten Episode. Lanz beschreibt es als Leseempfehlung von Precht und schwärmt von der Lektüre. Im Verlauf des Gesprächs wird mehrfach auf Thesen und Zitate aus dem Buch Bezug genommen, etwa zur Rolle des Dopaminsystems bei menschlicher Gier.

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Eine Geschichte von Ferdinand von Schirach
Buch

Eine Geschichte von Ferdinand von Schirach

Ferdinand von Schirach

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:53 „Und ich habe am Wochenende eine herrliche Geschichte von Ferdinand von Schirach gelesen, der Folgendes erzählte. Ein älteres Ehepaar gewinnt im Lotto. Dann werden die von einem Reporter besucht, kleines Häuschen am Stadtrand, schöner Vorgarten, bequeme Möbel und werden gefragt, was sie mit diesem Geld jetzt machen.“

Lanz erzählt eine Kurzgeschichte von Ferdinand von Schirach als Einstieg ins Thema. Die Geschichte handelt von einem Ehepaar, das zweimal im Lotto gewinnt, aber nie auf Weltreise geht — nur der Fernseher wird größer. Sie dient als Parabel dafür, dass Menschen trotz Wohlstand nie zum Handeln kommen.

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The Affluent Society
Buch

The Affluent Society

John Kenneth Galbraith

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:55 „1957 wird der Begriff Affluent Society, Überflussgesellschaft, das erste Mal geprägt, weil da irgendwie klar ist, jetzt ist im Grunde genommen genug da.“

Precht erwähnt den Begriff 'Affluent Society', der 1958 von John Kenneth Galbraith in seinem gleichnamigen Buch geprägt wurde. Er nutzt den historischen Bezugspunkt, um zu zeigen, dass schon Ende der 1950er Jahre materieller Wohlstand als ausreichend hätte gelten können — die Gesellschaft sich aber trotzdem für weiteres Wachstum entschied.

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📖
Buch

Die geheimen Verführer

Vance Packard

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:25:38 „Fallen wir sozusagen auf die geheimen Verführer? Du erinnerst dich, dieses berühmte Buch. Die Marketing- und Werbungsspezialisten, auf die wir reinfallen, indem sie uns jeden Tag bombardieren mit irgendwas und Bedürfnisse wecken.“

Lanz verweist auf den Klassiker von Vance Packard über manipulative Werbetechniken, um die Frage aufzuwerfen, ob Konsumgier primär durch Marketing erzeugt wird. Das Buch wird als bekanntes Referenzwerk in die Diskussion über künstlich geweckte Bedürfnisse eingebracht.

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Immer mehr ist nicht genug!
Buch

Immer mehr ist nicht genug!

John Naish

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:28:15 „John Nash schreibt in seinem Buch einen herrlichen Satz dazu. Dass wir so gierig sind, hat was mit unserem Dopaminsystem im Kopf zu tun. Die Areale, die auch von Heroin und Kokain angeregt werden, treiben uns auf die Suche nach allem. Nach Sex, nach Drogen und in Hungerzeiten auch nach Würstchen.“

Lanz zitiert aus dem Buch von John Naish (im Transkript als 'Nash' verschrieben), das sich mit der biologischen Grundlage menschlicher Gier beschäftigt. Das Buch wird mehrfach in der Episode herangezogen, um die These zu untermauern, dass unser Dopaminsystem uns zu unstillbarem Verlangen antreibt. Später zitiert Lanz daraus erneut die Idee, zielloses Kaufen sei der Versuch, in einer gottlosen Welt Sinn zu finden — ein 'existenzielles Daumenlutschen'.

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Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch
Buch

Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch

Alexander Solschenizyn · 1962

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:41:04 „Einer meiner Lieblingsschriftsteller ist Alexander Solzhenitsyn, den ich in sehr jungen Jahren schon kennengelernt habe. Wir haben, glaube ich, mal darüber gesprochen. Ein Tag im Leben des Ivan Denisovich. Er ist ein kleines, dünnes Büchlein, das den Horror des Gulag... Über dieses Wecken morgens um fünf irgendwo in Sibirien.“

Markus Lanz nennt Solschenizyn einen seiner Lieblingsschriftsteller und beschreibt, wie er ihn schon in jungen Jahren entdeckt hat. Das Buch dient als Einstieg in Solschenizyns weitergehende Zivilisationskritik: Lanz leitet über zu Solschenizyns Ablehnung nicht nur des Sowjetregimes, sondern auch der westlichen Konsumgesellschaft, die er als sinnentleert beschreibt.

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A World Split Apart
Rede

A World Split Apart

Alexander Solschenizyn

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:41:51 „Seiner Meinung nach haben wir, nachdem wir unsere religiösen und moralischen Grundsätze über Bord geworfen haben, das Verständnis für gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Sinn des Lebens verloren. Und er sagt, unser Streben nach persönlichem Besitz ist alles, was uns geblieben ist. Und bald werden wir nur noch eine Horde zerstreuter Konsumenten sein.“

Markus Lanz beschreibt Solschenizyns Kritik an der westlichen Lebensweise, die über seine Ablehnung des Sowjetregimes hinausging. Die Thesen über Materialismus als Ersatz für verlorene religiöse Werte und den Begriff der Selbstbeherrschung stammen aus Solschenizyns berühmter Harvard-Rede von 1978, in der er sowohl Ost als auch West kritisierte.

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