Ausgabe Einundfuenfzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode beginnt mit dem Thema Vegetarismus und Tierrechte — 7,5 Millionen Vegetarier und 1,4 Millionen Veganer leben mittlerweile in Deutschland, Tendenz rasant steigend. Doch bevor die ethische Debatte richtig Fahrt aufnimmt, landet das Gespräch bei Prechts Kindheitstraum, Zoodirektor zu werden: Er berichtet von seinem Besuch auf der Konferenz der deutschen Zoodirektoren in Krefeld und zeichnet ein lebhaftes Bild der Zunft — von den alten Alpharüden wie den legendären Hecks bis hin zum erstaunlich gewandelten, weiblicheren Gesicht der heutigen Zoo-Welt.
„Also das waren richtig vielschrötige Machos. Also so dicht dran am Großwildtiger.“
Erwähnte Medien (7)
Tiere denken: Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen
Richard David Precht
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:00:49 „Ich weiß, dass du ein Buch dazu gemacht hast. Wir haben uns beide auch schon mal darüber unterhalten.“
Markus Lanz leitet das Thema Vegetarismus und Tierrechte ein und verweist dabei auf Prechts bekanntes Buch zu diesem Thema. Es dient als Ausgangspunkt für das gesamte Gespräch über die Frage, ob wir Fleisch essen sollten und welche Rechte Tiere haben.
Der Panther
Rainer Maria Rilke
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:18:40 „Das ist der Panther. Ja, genau. Die Welt nur aus Stäben besteht. Also die sind malade im Kopf.“
Im Gespräch über Eisbären im Zoo, die durch ihren Wandertrieb zwanghaft hin- und herlaufen und sich über die eigene Achse drehen, zieht Markus Lanz den Vergleich zu Rilkes berühmtem Gedicht 'Der Panther', in dem ein eingesperrtes Tier die Welt nur noch als Gitterstäbe wahrnimmt. Precht greift das Zitat auf und bekräftigt, dass diese Tiere psychisch krank werden.
Auflistung zum Artensterben
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:22:15 „Dieser Tage bei den Kollegen der Zeit, die haben mal so eine Auflistung gemacht. Wie sehr dieses Artensterben bereits begonnen hat.“
Markus Lanz verweist auf einen aktuellen Artikel der ZEIT, der das fortschreitende Artensterben dokumentiert. Er nutzt die dort aufgelisteten Beispiele – Schildkröten mit Männermangel, Elefanten ohne Stoßzähne, scheiternde Albatros-Ehen – als Grundlage für den weiteren Gesprächsverlauf über die Auswirkungen des Klimawandels auf Tierarten.
Wer Tiere liebt, sollte sie essen
Christina Berndt
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:38:23 „Christina Berndt, sehr gute, sehr produktive Autorin von der Süddeutschen Zeitung, hat einen interessanten Essay dazu geschrieben, sehr provokant. Überschrift, wer Tiere liebt, sollte sie essen. Eine Welt voller Vegetarier wäre keine gute, schreibt sie da, denn wer Leid verhindert, indem er Leben verhindert, verhindert auch Glück.“
In der Diskussion darüber, ob Menschen generell auf Fleisch verzichten sollten, zitiert Lanz ausführlich aus einem Essay der Süddeutsche-Zeitung-Wissenschaftsredakteurin Christina Berndt. Der Essay argumentiert provokant, dass Vegetarismus Tierleben verhindere und damit auch Tierglück. Lanz liest mehrere Passagen daraus vor, unter anderem über die Problematik der Milchwirtschaft und der Kälbchen, und nutzt den Text als Diskussionsgrundlage für das ethische Dilemma des Fleischkonsums.
Noahs Erbe
Richard David Precht
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:54:38 „Und als ich damals in dem Buch schon anfing, so zu prognostizieren, dass das vielleicht die Zukunft sein könnte, fühlte ich mich im Jahr 1997 noch richtig verwegen. Als ich das Buch dann vor einigen Jahren überarbeitet hatte, musste ich sehen, hier war endlich mal was so ein bisschen in die Richtung gelaufen, wie ich es erwartet habe.“
Precht spricht über sein eigenes Buch von 1997, in dem er die Entwicklung der Tierrechtsbewegung prognostizierte – damals ein Nischenthema auf Dachterrassen in Williamsburg oder am Prenzlauer Berg. Jahre später bei der Überarbeitung stellte er fest, dass sich die Gesellschaft tatsächlich in die von ihm vorhergesagte Richtung bewegt hatte. Der Titel wird nicht explizit genannt, aber Thema (Tierethik) und Jahr (1997) deuten stark auf 'Noahs Erbe' hin, das später in 'Tiere denken' (2016) weiterentwickelt wurde.
The Great Ape Project
Peter Singer, Paola Cavalieri
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:55:43 „Ob man denen nicht zumindest die Grundrechte gewährt, also Recht auf körperliche Unversehrtheit, was bedeutet, dass man also Menschenaffen nicht für Laborversuche benutzen kann oder das Recht auf Freizügigkeit, also sich aussuchen können, wo sie leben wollen, dann könnte man sie nicht mehr im Zoo oder im Zirkus halten. Und diese Forderung gibt es seit Mitte der 90er Jahre.“
Precht spricht über die Forderung, Menschenaffen Grundrechte zu gewähren. Er verweist auf eine seit Mitte der 90er Jahre bestehende Initiative – das Great Ape Project von Peter Singer und Paola Cavalieri (1993), das genau diese Forderungen erstmals systematisch formulierte.
Die Vermessung der Welt
Daniel Kehlmann · 2005
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 01:00:12 „Daniel Kehlmann, 2006, auf die Frage, worüber werden wir in 200 Jahren lachen oder staunen, dass wir Tiere in Fabriken gehalten haben, das wird es in 200 Jahren nicht mehr geben.“
Lanz zitiert Daniel Kehlmann mit einer Prognose aus dem Jahr 2006 zur Zukunft der Massentierhaltung. Kehlmann wird als bekannter Autor namentlich genannt, sein bekanntestes Werk 'Die Vermessung der Welt' erschien 2005. Das Zitat stammt vermutlich aus einem Interview zur Buchpromotion.