Ausgabe Neunundvierzig
Markus Lanz & Richard David Precht
In dieser Folge plaudern die beiden über das Versinken in kreative Welten beim Schreiben — inspiriert von Autorin Andrea Wulff, die mit ihren Buchfiguren lebt, und Romancier Gisbert Heves, der sich zwei Schreibtische leistet. Dazu gibt Precht Einblicke in seine vollgestopfte Bibliothek samt erbärmlichem Gästebett und Yogamatte, bevor das Gespräch zu alten Judo-Verletzungen abdriftet — inklusive einer Schulterprellung nach einem ungebremsten Wandkontakt.
„Das ist auch immer schwierig rauszukommen. Also das ist so dieses Umschalten und wieder in die Realität anzukommen.“
Erwähnte Medien (10)
Die Erfindung der Natur: Alexander von Humboldts neue Welt
Andrea Wulf
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:00:37 „Ich habe, sehr interessant, kennst du Andrea Wulff? Die hat dieses großartige Buch über Humboldt geschrieben. Ja, die hatte ich mal als Gast in meiner Sendung. Die ist ja ein Weltbestseller gewesen.“
Markus Lanz erzählt zu Beginn des Gesprächs von Andrea Wulf und ihrem Humboldt-Buch, das ein Weltbestseller war. Er nutzt die Anekdote, um über den kreativen Prozess des Schreibens zu sprechen – Wulf habe ihm erzählt, dass sie beim Schreiben so tief in ihre Bücher versinke, dass die historischen Figuren zu 'ihren eigenen Leuten' werden.
Generation Guido
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:08:06 „Der Spiegel hat mal vor knapp 20 Jahren eine Titelgeschichte gemacht, die hieß Generation Guido. Das sind wir. Damals nach Guido Westerwelle. Der für damalige Verhältnisse jung quasi politische Karriere gemacht hat.“
Im Gespräch über die Babyboomer-Generation und deren zahlenmäßige Dominanz erwähnt Precht eine Spiegel-Titelgeschichte von etwa 2005, die seine Generation als 'Generation Guido' bezeichnete – nach dem damals als jung geltenden Politiker Guido Westerwelle. Der Begriff stand für eine Generation, die immer zu viele waren und stets mit harter Konkurrenz um Studienplätze und Arbeitsplätze kämpfen musste.
The Road to Somewhere
David Goodhart
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:20:24 „Da hatte ein amerikanischer Autor ein Buch geschrieben, das wurde dann hunderttausendmal, wurden die Begriffe benutzt, von den Somewheres und den Anywheres. Erinnerst du dich daran? Da war gesagt, also wer reich ist, unserer Oberschicht oder zur oberen Mittelschicht gehört, der ist ein Anywhere.“
Precht greift ein vor etwa zehn Jahren vieldiskutiertes Buch auf, das die Gesellschaft in 'Somewheres' (ortsgebundene, weniger mobile Menschen) und 'Anywheres' (globalisierte, hochgebildete Kosmopoliten) einteilte. Er nutzt es, um die Illusion der grenzenlosen Mobilität zu hinterfragen, und ergänzt die These mit der Beobachtung eines Topmanagers, dass selbst in Führungsetagen die meisten auf ihren Heimatmarkt zurückkehren. Precht ordnet den Autor fälschlich als Amerikaner ein – David Goodhart ist Brite.
Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?
Richard David Precht
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:27:06 „Da war ich vier Wochen in Griechenland. Das ist die Szene, mit der Wer bin ich beginnt. Da fängt quasi die Eingangsszene von Wer bin ich und wenn ja, wie viele die spielt an.“
Beim Gespräch über den ersten Urlaub allein erzählt Precht von seiner Reise nach Naxos während des Zivildienstes. Er verknüpft die persönliche Erinnerung mit der Eingangsszene seines bekanntesten Buchs, die genau dort am Strand von Agia Anna spielt. Lanz kennt die Szene offensichtlich und fragt nach dem genauen Ort.
Émile ou De l'éducation
Jean-Jacques Rousseau
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:44:33 „Du kennst ja den berühmten Satz von Rousseau, dass nicht der am meisten gelebt hat, der am ältesten geworden ist, sondern derjenige, der am meisten gefühlt hat.“
Im Gespräch über das Lebensgefühl junger Generationen und die Frage, ob man sich als junger Mensch mit dem Thema Rente beschäftigt, zitiert Precht Rousseau mit einem bekannten Satz über die Intensität des Lebens. Das Zitat stammt aus Rousseaus pädagogischem Hauptwerk.
Interview mit Thomas Gottschalk
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:44:59 „Ich habe neulich einen interessanten Satz von Thomas Gottschalk dazu im Spiegel gelesen. Thomas Gottschalk, Zitat, die junge Generation heute ist so weich gekocht und so ängstlich auf Erfolg bedacht.“
Lanz zitiert einen Satz von Thomas Gottschalk aus dem Spiegel, um das Lebensgefühl der jüngeren Generation zu diskutieren. Precht kontert, dass die Jugend ein Produkt ihrer Erziehung sei und Gottschalk als berufsjugendlicher Entertainer selbst kaum in der Position sei, solche 'Opasprüche' abzulassen.
Pippi Langstrumpf
Astrid Lindgren
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:45:35 „Ja, vor allem ausgerechnet jemand, der so berufsjugendlich ist wie Thomas Gottschalk und der sich sicherlich so wie Pippi Langstrumpf als Kind gesagt hat, er will nie erwachsen werden. Dass ausgerechnet der so einen Opaspruch ablässt, ist auch erstaunlich.“
Precht vergleicht Thomas Gottschalk mit Pippi Langstrumpf, um die Ironie herauszustellen, dass ausgerechnet ein Entertainer, der selbst nie erwachsen werden wollte, die jüngere Generation als weichgekocht kritisiert.
Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten
Richard David Precht
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:48:14 „Und ich habe in meinem Buch über, mein letztes Buch, Freiheit für alle, geschrieben, in einer Arbeitsgesellschaft keine Arbeit zu haben, ist eventuell immer noch besser, als in einer Sinngesellschaft keinen Sinn zu finden.“
Im Gespräch über die Überforderung der jungen Generation durch zu viele Wahlmöglichkeiten zitiert Precht eine zentrale These aus seinem eigenen Buch. Er argumentiert, dass die Multioptionsgesellschaft eine Bedrohung darstellt, weil Sinnlosigkeit in einer Sinngesellschaft schlimmer sein kann als Arbeitslosigkeit in einer Arbeitsgesellschaft.
Artikel über Annalena Baerbock und ihre Generation
Uli Schulte
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:51:11 „Uli Schulte, ein großartiger Autor, war mal bei uns zu Gast und der hat damals, als es den Ärger um Annalena Baerbock und ihre Biografie gab, hat er so sinngemäß mal geschrieben, dass sie irgendwann ihre eigene Mittelmäßigkeit für genial halten.“
Lanz zitiert sinngemäß einen Text des taz-Autors Uli Schulte, der Annalena Baerbock als typisches Beispiel einer Generation beschrieb, deren bloße Existenz von den Eltern bereits als Sensation gefeiert wurde. Die These: Diese übermäßige Bestätigung führt dazu, dass Menschen ihre eigene Mittelmäßigkeit für genial halten.
Biografie von Annalena Baerbock
Annalena Baerbock
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:51:11 „Uli Schulte, ein großartiger Autor, war mal bei uns zu Gast und der hat damals, als es den Ärger um Annalena Baerbock und ihre Biografie gab, hat er so sinngemäß mal geschrieben.“
Lanz erwähnt beiläufig den damaligen Skandal um Annalena Baerbocks Biografie als zeitlichen Kontext für den Artikel von Uli Schulte. Die Biografie selbst wird nicht inhaltlich besprochen, sondern dient nur als Referenzpunkt.