Lanz & Precht – Ausgabe Fuenfundvierzig
#045

Ausgabe Fuenfundvierzig

Lanz & Precht / 08. Juli 2022 / 4 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Die Episode kreist um ein wachsendes Gefühl kollektiver Überforderung angesichts globaler Machtverschiebungen — der Aufstieg Chinas und Indiens, der schwindende Einfluss Europas und Amerikas, der Rückgang demokratischer Systeme weltweit. Beide diskutieren, wie eng sozialer Frieden an Wohlstand gekoppelt ist und was passiert, wenn dieser schmilzt. Persönlich gerahmt wird das Ganze durch ein Gespräch über Schlafgewohnheiten und die innere Unruhe, die niemanden mehr zur Ruhe kommen lässt.

„Ich glaube, dass wir ganz große Probleme im Augenblick damit haben, uns selbst zu sehen und uns selbst zu verstehen. Sondern wir blicken zurück in etwas, das anders war. Und wir blicken voraus in etwas, von dem wir keine Vorstellung haben, es sei denn dystopische Bilder.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (4)

Die Abstiegsgesellschaft
Buch

Die Abstiegsgesellschaft

Oliver Nachtwey

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:09:40 „Abstiegsgesellschaften, das ist ein Begriff, den der Soziologe Oliver Nachtwey vor, ich schätze jetzt mal so sieben, acht Jahren hat er ein Buch geschrieben, die Abstiegsgesellschaft.“

Precht und Lanz diskutieren darüber, wie der schwindende Wohlstand westlicher Gesellschaften deren Stabilität und Werte bedroht. Precht greift auf Nachtweys Begriff der 'Abstiegsgesellschaft' zurück, um zu erklären, dass Gesellschaften, in denen der Wohlstand dauerhaft abnimmt, schnell instabil werden und ihre sozialen Errungenschaften verlieren können.

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Entscheidung in Kiew
Buch

Entscheidung in Kiew

Karl Schlögel

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:18:11 „Ich hatte am vergangenen Donnerstag eine beeindruckende Begegnung mit Karl Schlögl, den wir hier schon öfter zitiert haben, der Historiker, der 2015 dieses Buch gemacht hat über Kiew und die Situation in der Ukraine. Und wenn du das liest, das ist wirklich bis heute eine düstere Prophezeiung. Du hast das Gefühl, das Buch ist gestern geschrieben unter dem Eindruck dieses Angriffs.“

Lanz schildert eine Begegnung mit dem Historiker Karl Schlögel und empfiehlt dessen Buch von 2015 über Kiew als geradezu prophetisches Werk. Schlögel habe darin den russischen Angriff auf die Ukraine vorweggenommen und argumentiert, es gehe nicht um einzelne Quadratkilometer, sondern um den Versuch, den ganzen Kontinent umzugestalten. Lanz nutzt das Buch als Argument dafür, dass der Westen die Tragweite der Situation noch nicht begriffen habe.

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Das Prinzip Hoffnung
Buch

Das Prinzip Hoffnung

Ernst Bloch

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:44:41 „Ich habe dieser Tage, und ich glaube, es war Karl Schögl, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, einen total interessanten Satz von Ernst Bloch gelesen oder einen Gedanken, der sozusagen darauf hinweist, dass man die Vergangenheit durchaus irgendwie analysieren und verstehen kann. Aber Bloch war offenkundig der Meinung, dass das Schwierigste, die schwierigste Ebene des Verstehens, die Gegenwart ist. Und er nannte es das Dunkel des gelebten Augenblicks.“

Zum Ende des Gesprächs bringt Markus Lanz einen Gedanken von Ernst Bloch ein, auf den ihn Karl Schögl aufmerksam gemacht habe. Blochs Konzept vom 'Dunkel des gelebten Augenblicks' – die Idee, dass die Gegenwart am schwersten zu verstehen ist – dient als philosophische Klammer für die gesamte Diskussion über die Orientierungslosigkeit des Westens. Precht greift den Gedanken begeistert auf und überträgt ihn auf die aktuelle geopolitische Lage.

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The End of History and the Last Man
Buch

The End of History and the Last Man

Francis Fukuyama

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:48:53 „Es gab ja mal eine Zeit, Fukuyama und so weiter, das Ende der Geschichte, da wurden die Demokratien oder die liberalen Systeme auf der Welt immer mehr. Mittlerweile nehmen sie ganz eindeutig ab.“

Markus Lanz verweist auf Fukuyamas berühmte These vom 'Ende der Geschichte', um den Kontrast zur aktuellen Weltlage zu verdeutlichen. Wo Fukuyama nach dem Kalten Krieg den globalen Siegeszug der liberalen Demokratie proklamierte, beobachtet Lanz heute das Gegenteil: Demokratien nehmen ab, und selbst die USA standen knapp davor, sich aus dem demokratischen Club zu verabschieden.

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