Lanz & Precht – Ausgabe Vierundvierzig
#044

Ausgabe Vierundvierzig

Lanz & Precht / 01. Juli 2022 / 8 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Die Episode kreist um den Begriff Verzicht — ein Wort, das für eine ganze Generation fremd geworden ist. Zwischen gestrandeten Urlaubern, der sich entschuldigenden Lufthansa und Christian Lindners Warnung vor Jahren des Mangels zeichnet sich ein Epochenbruch ab: Nach Jahrzehnten, in denen alles immer mehr und immer schneller wurde, erlebt die deutsche Durchschnittsbevölkerung plötzlich den Gegenentwurf zu Amazon Prime.

„Über Jahrzehnte, seit ich lebe, ist immer alles mehr geworden. Alles ist schneller geworden, alles ist mehr geworden. Und jetzt erleben wir aus meiner Sicht etwas ganz Gespenstisches.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (8)

Artikel über Verzicht als Vokabel der Stunde
Artikel

Artikel über Verzicht als Vokabel der Stunde

Dirk Kobiewald

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:01:58 „Dieser Tage ein Stück von dem von mir sehr, sehr geschätzten Dirk Kobiewald, gelesen, großartiger Spiegelautor. Der auch sagte, Verzicht ist wirklich der Begriff, die Vokabel der Stunde.“

Lanz leitet das Hauptthema der Episode ein, indem er auf einen Spiegel-Artikel von Dirk Kobiewald verweist, der Verzicht als den zentralen Begriff der aktuellen gesellschaftlichen Debatte identifiziert. Der Artikel dient als Aufhänger für das gesamte Gespräch über Wohlstandsverlust und Konsumverzicht.

Zum Artikel bei Spiegel
Genug
Buch

Genug

John Naish

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:05:01 „Also ich habe hier gerade ein Buch liegen, das heißt Genug. Das ist von einem Times-Autor aus dem Jahre 2008, John Naish. War damals ein wahnsinnig erfolgreiches Buch. Der einfach mal gesagt hat, ich lebe jetzt einfach mal mit ganz, ganz wenigen Dingen und gucke mal, ob das klappt.“

Precht zeigt auf seine Bibliothek und greift ein konkretes Buch heraus, um zu illustrieren, dass die Verzichtsdebatte nicht neu ist. Er findet es bemerkenswert, dass 2008 der Verzicht auf einen Fernseher als radikal galt, während man heute auf Smartphone und Internet verzichten müsste – die Messlatte für Verzicht hat sich dramatisch verschoben.

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Exit. Wohlstand ohne Wachstum
Buch

Exit. Wohlstand ohne Wachstum

Meinhard Miegel

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:05:54 „Ich sehe hier ein Buch von Meinhard Miegel, der mal der Berater von Kurt Biedenkopf war, ursprünglich CDU-Politiker, der gesagt hat, es gibt kein unbegrenztes Wachstum in einer begrenzten Welt und so weiter.“

Precht verweist auf ein weiteres Buch aus seiner Bibliothek, um zu zeigen, dass die Wachstumskritik schon um 2008 intensiv diskutiert wurde. Miegel, ein konservativer Politikberater, vertrat die These, dass unbegrenztes Wachstum in einer endlichen Welt unmöglich sei – eine Position, die laut Precht heute durch den Krieg unfreiwillig aktuell wird.

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Verzicht und die Hafermilchgesellschaft
Artikel

Verzicht und die Hafermilchgesellschaft

Hilmar Klute

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:11:42 „Ich habe neulich ein tolles Stück von Hilmar Klute in der Süddeutschen gelesen, der sich darüber lustig machte, dass wir ja so eine verwöhnte Hafermilchgesellschaft seien, die mit Verzicht nicht mehr umgehen kann. Und dann schreibt er etwas ganz, ganz Großartiges.“

Lanz zitiert begeistert einen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung, in dem Klute die deutsche Bereitschaft zum Verzicht als Selbsttäuschung entlarvt. Besonders die Formulierung von den 'Freizeitpartisanen', die ihren ökonomischen Heldenmut überschätzen, beeindruckt Lanz – und Precht stimmt inhaltlich sofort zu.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung
Kommentar zur Wirtschaftspsychologie des Verzichts
Artikel

Kommentar zur Wirtschaftspsychologie des Verzichts

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:18:53 „Ich habe letztens einen Kommentar gelesen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im Wirtschaftsteil. Da wurde gesagt, ja, also die Menschen sind nicht bereit zu verzichten, weil das kann man ziemlich gut darlegen anhand der Wirtschaftspsychologie.“

Precht bezieht sich auf einen Kommentar in der FAS, der mit wirtschaftspsychologischen Argumenten belegt, warum Menschen Verzicht als so schmerzhaft empfinden – Verluste werden dreimal stärker empfunden als Gewinne. Precht findet die Erklärung aber unzureichend, weil sie die systemische Frage umgeht, ob Kapitalismus ohne Wachstum funktionieren kann.

Zum Artikel bei FAZ
Artikel über die Latte-Macchiato-und-Hafermilch-Gesellschaft
Artikel

Artikel über die Latte-Macchiato-und-Hafermilch-Gesellschaft

Hilmar Klute

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:33:49 „Und sehen gerade, was wir im Begriff sind zu verlieren. Nämlich echten Wohlstand. Und da glaube ich... Um Hilmar Klute nochmal zu zitieren, ja, da ist so die Latte Macchiato und Hafermilch-Gesellschaft, die trifft das richtig.“

Lanz diskutiert die Konsequenzen einer schwindenden Globalisierung für den deutschen Wohlstand. Er zitiert Hilmar Klute mit dem Begriff der 'Latte Macchiato und Hafermilch-Gesellschaft', um zu verdeutlichen, dass besonders die wohlstandsverwöhnte Mittelschicht von den Veränderungen getroffen wird. Das 'nochmal' deutet darauf hin, dass Klute bereits zuvor in der Episode zitiert wurde.

Zum Artikel bei Das-kaffee-magazin.de
Enough: Breaking Free from the World of Excess
Buch

Enough: Breaking Free from the World of Excess

John Naish

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:42:16 „Oder wie dieser John Neisch einfach mal hinzugehen und zu sagen, ich lebe jetzt ein Jahr lang mal so reduziert wie möglich. Ein Experiment, was vielleicht viele Leute bereit wären zu tun.“

Im Kontext der Verzichtsdebatte und Epikurs Philosophie der Genügsamkeit erwähnt Precht ein Selbstexperiment, bei dem jemand ein Jahr lang so reduziert wie möglich gelebt hat. Der Name ist im Transkript als 'John Neisch' wiedergegeben, es handelt sich vermutlich um John Naish, dessen Buch 'Enough' sich mit dem Überfluss der Konsumgesellschaft auseinandersetzt.

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Kommentar zu Epikurs Hedonismus-Begriff
Essay

Kommentar zu Epikurs Hedonismus-Begriff

Christoph Rapp

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:44:05 „Ich habe in der Vorbereitung Epikur – Kennst du Christoph Rapp eigentlich von der LMU in München? Das ist ein Philosoph, der etwas total Interessantes gesagt hat. Der sagt, pass auf, ich zitiere mal, es ist total interessant.“

Lanz bringt den Philosophen Christoph Rapp von der LMU München ins Gespräch, den er bei seiner Vorbereitung zum Thema Epikur entdeckt hat. Rapp argumentiert, dass Epikurs Hedonismus nur zwei Zustände kennt – Lust und Unlust – und dass deshalb bereits die Abwesenheit von Unlust als Lust gilt. Lanz findet diesen Gedanken besonders erhellend für die aktuelle Verzichtsdebatte. Das genaue Werk wird nicht genannt.

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