Lanz & Precht – Ausgabe Siebenunddreissig
#037

Ausgabe Siebenunddreissig

Lanz & Precht / 13. Mai 2022 / 11 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Die Episode pendelt zwischen der schweren Debatte um Waffenlieferungen an die Ukraine und der Frage nach realistischen Kriegszielen — und einer leichtfüßigen Plauderei über Wiener Melancholie, raunzende Bergvölker und die Frage, warum Menschen in einer so schönen Stadt so schlechte Laune haben. Precht meldet sich aus Wien, was Lanz zu einem Exkurs über Tiroler Schwermut inspiriert: Seine Mutter kommentierte drei Wochen Sonnenschein mit dem Satz „Das werden wir büßen.

„Man fragt sich, warum Menschen in einer Stadt, die so schön ist, so schlechte Laune haben. Das muss man überhaupt erstmal hinkriegen.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (11)

Monaco Franze – Der ewige Stenz
Serie

Monaco Franze – Der ewige Stenz

Helmut Dietl · 1983

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:02:12 „Ich kenne das auch aus Südtirol. Da gibt es das Wort immer dieses Geraunze. In Monaco, Franze war es früher immer das Geschiss mit der Elli.“

Im lockeren Gesprächseinstieg über die Melancholie der Wiener und Tiroler fällt Lanz die berühmte Münchner TV-Serie ein. Er zitiert das Motiv des ständigen Genörgels und zieht eine humorvolle Parallele zwischen dem Wiener Raunzen und dem typischen Geschimpfe in Helmut Dietls Kultserie.

🛒 Amazon * 📺 JustWatch ▶️ YouTube
Die Geierwally
Buch

Die Geierwally

Wilhelmine von Hillern

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:03:56 „Das hat so eine schwere, weißt du, wenn da die Nebelschwaden, wie in der Geierwalli, wenn die Nebelschwaden so um die Berge ziehen, um die Dolomiten und du sitzt da.“

Lanz beschreibt die melancholische Stimmung in den Tiroler Bergen und greift dabei auf das literarische Bild der Geierwally zurück – die Geschichte der einsamen Frau in den Alpen. Er nutzt die Referenz, um die düstere, nebelverhangene Atmosphäre seiner Heimat zu illustrieren.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Der TikTok-Krieg in der Ukraine
Artikel

Der TikTok-Krieg in der Ukraine

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:04:34 „Und mittlerweile ist TikTok sozusagen die Plattform, auf der dieser Krieg stattfindet. Die New York Times hat dieser Tage über den TikTok-Krieg in der Ukraine gesprochen.“

Lanz beschreibt, wie der Ukraine-Krieg über soziale Medien geführt wird. Er verweist auf einen Artikel der New York Times, der die Rolle von TikTok als Kriegsplattform analysiert, auf der Kriegsrhetorik, Heldenverehrung und virale Propaganda stattfinden.

Zum Artikel bei New York Times
Artikel zur Romantisierung von Krieg
Artikel

Artikel zur Romantisierung von Krieg

Diana Kindert

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:08:13 „Diana Kindert hat es dieser Tage beschrieben, die schreibt von einer Romantisierung von Krieg und Gefecht und Kampf. Nimmst du das auch so wahr?“

Lanz zitiert Diana Kindert, die in einem aktuellen Beitrag die Romantisierung und Ästhetisierung des Krieges in sozialen Medien beschrieben hat. Kindert beobachtet demnach Influencer mit Sturmhauben und Karnevalswaffen und kommt zum Schluss, dass wir kulturell längst kriegsbeteiligt seien.

Zum Artikel bei Leibniz-hbi.de
Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog
Buch

Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog

Christopher Clark

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:10:44 „Dieses Unbehagen, in diesen Krieg reingezogen zu werden, Stichwort Erster Weltkrieg, Stichwort Christopher Clarke, Stichwort die Schlafwandler, einfach so langsam, langsam immer tiefer reingezogen werden.“

Lanz zieht eine Parallele zwischen dem Ukraine-Krieg und dem Ersten Weltkrieg. Er nutzt Christopher Clarks berühmte These vom schleichenden Hineingeraten in den Krieg als Warnung: Auch heute bestehe die Gefahr, dass der Westen Schritt für Schritt immer tiefer in den Konflikt hineingezogen werde, ohne dass es eine bewusste Entscheidung dafür gab.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Essay

Essay zum Ukraine-Krieg

Richard David Precht

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:14:33 „Und das ist die Frage, die ich schon ganz früh aufgeworfen habe, in einem Essay, den ich im Stern geschrieben habe. Was ist das mutmaßliche Kriegsziel von unserer Seite.“

Precht verweist auf einen eigenen Essay im Stern, in dem er bereits früh im Krieg die Frage nach dem realistischen westlichen Kriegsziel aufgeworfen hat. Er argumentiert, dass die Entscheidung über Waffenlieferungen von der Antwort auf diese strategische Grundfrage abhängen müsse.

Zum Artikel bei Amazon.de
Offener Brief an Bundeskanzler Scholz
Artikel

Offener Brief an Bundeskanzler Scholz

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:30:09 „Ja, ehrlich gesagt argumentierst du jetzt so ein bisschen in die Richtung dieses ersten Briefes, über den gerade in Deutschland so viel gestritten wird, der von vielen so gelesen wird, dass man sagt, eigentlich legen wir sehr paternalistisch aus deutscher Perspektive von oben herab den Ukrainer nahe, kapituliert doch jetzt endlich, ergebt euch, weil eigentlich habt ihr ohnehin keine Chance.“

Lanz konfrontiert Precht mit dem umstrittenen offenen Brief an Bundeskanzler Scholz, in dem Intellektuelle zur Zurückhaltung bei Waffenlieferungen aufriefen. Precht verteidigt den Brief vehement und betont, er richte sich an Scholz, nicht an Selenskyj, und enthalte keine Aufforderung zur Kapitulation – die Kritik sei eine Medienkampagne, die den Inhalt verzerrt darstelle.

Zum Artikel bei Change.org
Krieg und Frieden in Europa
Essay

Krieg und Frieden in Europa

Jürgen Habermas

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:19 „Jetzt, wie es für ein liberal-demokratisches Land auch ansteht, wie es uns gut zu Gesicht steht, gibt es immer mehr Leute, jetzt Jürgen Habermas zuletzt, die beiden offenen Briefe, die sich mit ihren Meinungen in diese Debatte einschalten.“

Precht erwähnt Habermas als prominenten Teilnehmer der deutschen Debatte über den Ukrainekrieg und Waffenlieferungen. Damit verweist er implizit auf Habermas' Essay zur Ukraine-Krise, der in der Süddeutschen Zeitung erschien und in dem Habermas vor einer Eskalation warnte. Precht nutzt die Referenz, um zu zeigen, dass die Debatte in einer liberalen Demokratie breit geführt werden sollte.

Zum Artikel bei Amazon.de
Faust. Der Tragödie zweiter Teil
Buch

Faust. Der Tragödie zweiter Teil

Johann Wolfgang von Goethe

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:41:35 „Ja, ich meine, das ist wie immer beim Krieg. Also es gibt den schönen Satz von Goethe, Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie nicht zu trennen. Und das ist, wenn es wirklich ans eingemachte, tiefliegende Geschäftsinteressen geht, dann sieht man die Welt nicht moralisch, dann sieht man die Welt ökonomisch.“

Im Gespräch über Deutschlands Doppelzüngigkeit – einerseits moralische Haltung, andererseits weiterhin Öl aus Russland zu beziehen – zitiert Precht Goethes berühmten Vers aus Faust II. Das Zitat dient ihm als zeitlose Erklärung dafür, dass ökonomische Interessen in Kriegszeiten stets die Moral überlagern, und illustriert die Widersprüchlichkeit der deutschen Position.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
🎤
Rede

Rede auf dem Sonderparteitag der Grünen zum Kosovo-Einsatz

Joschka Fischer

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:44:26 „Nie wieder Auschwitz hat Joschka Fischer damals den Bundeswehreinsatz gerechtfertigt in Jugoslawien. Nein, er hat gesagt, nie wieder Auschwitz ist wichtiger als nie wieder Krieg.“

Precht und Lanz diskutieren die beiden Grundsätze deutscher Nachkriegspolitik – 'nie wieder Krieg' und 'nie wieder Auschwitz' – und verweisen auf Fischers historische Rede von 1999, mit der er den Bundeswehreinsatz im Kosovo begründete. Precht argumentiert, dass die damalige Entscheidung weit weniger risikoreich war als die heutige Situation, weil Jugoslawien keine Atommacht war.

▶️ YouTube 🔍 Google
🎙
Podcast

Pioneer-Podcast mit Diana Kienert

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:50:52 „Diana Kienert hat sie neulich in einem anderen Podcast, ich glaube bei Pioneer hat sie das gesagt, das fand ich sehr, sehr klug. Sie sagte, manche sagten immer, Europa ist Frieden. Und Frieden ist Europa. Aber die Wahrheit ist, Frieden ist manchmal nur eine glückliche Fügung.“

Zum Ende des Podcasts zitiert Lanz Diana Kienert aus einem Pioneer-Podcast und gibt damit seinem zentralen Fazit einen Rahmen: Die europäische Friedensordnung sei keine Selbstverständlichkeit, sondern eine glückliche Fügung, die aktiv verteidigt werden müsse. Precht ergänzt, dass Frieden zwar nicht garantiert sei, man aber alles dafür tun müsse.

🎧 Spotify 🎙️ Apple Podcasts