Lanz & Precht – Ausgabe Fuenfunddreissig
#035

Ausgabe Fuenfunddreissig

Lanz & Precht / 29. April 2022 / 14 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Nach einem launigen Einstieg über Bücherkisten und die Qual des Umziehens lenkt die Folge auf ein zentrales Thema: die fehlende Korrelation zwischen Sinn und Bezahlung im Berufsleben. Altenpflegerinnen leisten gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit für wenig Geld, während Spitzenverdiener nicht unbedingt die sinnvollsten Jobs haben — und die Erwartung, dass Arbeit auch glücklich machen soll, ist historisch betrachtet ein völlig neues Phänomen.

„Wir haben eigentlich keine Korrelation zwischen Sinn und Bezahlung.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (14)

🎭
Theater

Endspiel

Samuel Beckett

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:00:28 „Freilich Beckett, der immer gesagt hat, immer dieselben Fragen, dieselben Antworten.“

Richard David Precht zitiert zu Beginn des Gesprächs Samuel Beckett und dessen berühmtes Motiv der ewigen Wiederholung gleicher Fragen und Antworten aus dem Theaterstück 'Endspiel' (Endgame), als Markus Lanz ihn fragt, wo er sich gerade befindet.

🛒 Amazon * 🔍 Google
Neues Buch über Arbeit und Gesellschaft
Buch

Neues Buch über Arbeit und Gesellschaft

Richard David Precht

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:03:59 „Das sind ja neue Ansprüche, die diese Gesellschaft, ich habe das ja in meinem neuen Buch versucht zu zeigen, wirklich revolutionieren.“

Precht verweist auf sein neues Buch, in dem er die These vertritt, dass die Ansprüche an Arbeit — Sinnhaftigkeit, Work-Life-Balance, persönliche Erfüllung — historisch neu sind und die Gesellschaft grundlegend verändern. Der genaue Titel wird nicht genannt.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
🔬
Studie

Gallup Global Workplace Report

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:04:14 „Eine globale Untersuchung und die hat auch Ungenauigkeiten drin und da gibt es auch große Unterschiede sozusagen zwischen den einzelnen Ländern. Aber im Schnitt kommen die Autoren dieser Studie zum Ergebnis, dass nur noch irgendwo zwischen 15 und 20 Prozent der Menschen, die arbeiten, wirklich zufrieden sind, ausgefüllt sind von dieser Arbeit.“

Lanz zitiert eine globale Studie zur Arbeitszufriedenheit, die ihn 'völlig erschüttert' hat. Die Studie zeigt, dass in Europa nur 10-15% der Beschäftigten wirklich zufrieden sind, in Amerika etwa 30%. Er nutzt diese Zahlen als Einstieg in die Diskussion über die Zukunft der Arbeit und die Frage, warum 85% der Menschen jeden Morgen einer Tätigkeit nachgehen, die sie nicht erfüllt.

🎓 Google Scholar 📄 Original
📰
Artikel

Text über die Zukunft der Arbeit

Matthias Greffrath

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:13:25 „Ich habe mich damit beschäftigt, das was ich vorhin zitiert habe, die Kassiererinnen an der Supermarktkasse und so weiter, das ist aus einem Text von Matthias Greffrath, den ich mit großer Begeisterung gelesen habe. Weiß ich, ob du den kennst? Ich kenne ihn sehr gut.“

Lanz offenbart, dass seine vorherigen Fragen über Kassiererinnen und Lagerarbeiter aus einem Text von Matthias Greffrath stammen. In diesem Text gibt Greffrath seine Fragen in einen KI-Algorithmus ein (ein Pilotprojekt mit Beteiligung von Elon Musk und Microsoft) und lässt den Text automatisch ergänzen. Greffrath kommt zum Schluss, dass kein Beruf mehr sicher ist — Precht hält den Text für 'altmodisch', weil er nur ein Zwischenstadium beschreibe.

Zum Artikel bei Google.com
Der Leser braucht den Autor
Essay

Der Leser braucht den Autor

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:21 „Ich habe ja mal Literaturwissenschaften studiert und ich kann mich an einen Text erinnern, den ich damals gelesen habe. Der hieß, der Leser braucht den Autor. Wenn ich also weiß, dass das Buch, was ich gelesen habe, oder der Text nicht von Matthias Greffrath ist, sondern ich weiß, der ist von einem Computersystem, werde ich mich wirklich daran gewöhnen, das gleichrangig zu sehen?“

Precht argumentiert gegen die These, dass KI-generierte Texte menschliche Autoren ersetzen könnten. Er erinnert sich an einen literaturwissenschaftlichen Text aus seinem Studium, der die These vertritt, dass Leser eine imaginäre Beziehung zum Autor aufbauen. Dieses Argument nutzt er, um zu zeigen, dass die Autorschaft eines Menschen für das Leseerlebnis wesentlich bleibt.

Zum Artikel bei Amazon.de
You're My Heart, You're My Soul
Musik

You're My Heart, You're My Soul

Modern Talking · 1984

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:18:25 „Der einzige Algorithmus, den ich je wirklich selber entschlüsseln konnte, war der Algorithmus von Modern Talking von Dieter Bohlen. Das war, wenn du You're My Heart, You're My Soul kanntest, wusstest du, wie der Rest jetzt weitergeht. Danach kam You Can Win If You Want, danach kam Cherry, Cherry Lady und so.“

Lanz greift Prechts These auf, dass KI-komponierte Musik die Musikwelt nicht revolutioniert habe. Er kontert humorvoll, dass der einzige musikalische Algorithmus, den er je durchschaut habe, Dieter Bohlens Hitformel bei Modern Talking war — alle Songs folgten dem gleichen Muster. Der Song dient als Beispiel für musikalische Formelhaftigkeit, die auch eine KI leisten könnte.

🛒 Amazon * 🎧 Spotify ▶️ YouTube
You Can Win If You Want
Musik

You Can Win If You Want

Modern Talking

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:18:25 „Das war, wenn du You're My Heart, You're My Soul kanntest, wusstest du, wie der Rest jetzt weitergeht. Danach kam You Can Win If You Want, danach kam Cherry, Cherry Lady und so. Das folgte alles dem exakt gleichen Muster.“

Lanz nennt den Song als weiteres Beispiel für die formelhafte Hitproduktion von Modern Talking, die alle dem gleichen algorithmischen Muster folgten.

🛒 Amazon * 🎧 Spotify ▶️ YouTube
Cherry, Cherry Lady
Musik

Cherry, Cherry Lady

Modern Talking

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:18:30 „Danach kam You Can Win If You Want, danach kam Cherry, Cherry Lady und so. Das folgte alles dem exakt gleichen Muster. Das ist der einzige Algorithmus, den ich jemals verstanden habe.“

Dritter Song in Lanz' Aufzählung der Modern-Talking-Hits, die alle demselben musikalischen Schema folgten — sein humorvolles Argument dafür, dass manche Popmusik bereits algorithmisch wirkt.

🛒 Amazon * 🎧 Spotify ▶️ YouTube
Newsweek-Cover mit Professor Ishiguro und seinem Roboter
Artikel

Newsweek-Cover mit Professor Ishiguro und seinem Roboter

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:26:59 „Der war mal, ich glaube, in Newsweek auf dem Cover, er und sein Roboter, den er nach seinem Bilde gefertigt hatte. Und du kannst wirklich nicht erkennen, wer von beiden ist ein Mensch und wer ist der Roboter.“

Precht erzählt von einer Begegnung mit Professor Ishiguro aus Kyoto, dem weltweit führenden Hersteller androider Roboter. Er erwähnt ein Newsweek-Cover, auf dem Ishiguro neben seinem menschengleichen Roboter-Ebenbild abgebildet war, als Beleg für die Fortschrittlichkeit dieser Technologie.

Zum Artikel bei Japandigest.de
Autobiography of John Stuart Mill
Buch

Autobiography of John Stuart Mill

John Stuart Mill

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:32:14 „John Stuart Mill wurde von seinem Vater John Mill zu Hause erzogen und ultimativ Potenzial entfaltet. Also der ist getrimmt worden, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Der war die höchste Begabung seiner Zeit. Also kein anderer Zwölfjähriger in England hätte mit ihm noch konkurrieren können. Und heraus kam sicherlich einer der bedeutendsten angelsächsischen Philosophen ever. Und ein Leben lang ein tief unglücklicher Mensch.“

Precht argumentiert gegen Professor Ishiguros These, dass Roboter Erzieher und Lehrer ersetzen könnten. Er führt John Stuart Mills Biografie als warnendes Beispiel an: Mill wurde von seinem Vater zu Hause zu einem intellektuellen Wunderkind erzogen, wurde aber zeitlebens unglücklich – weil ihm die soziale Erfahrung mit Gleichaltrigen fehlte. Das Beispiel untermauert Prechts These, dass Schule primär soziales Lernen ermöglicht.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
🔬
Studie

Automatisierungsrisikoindex-Studie

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:42:08 „Ich habe in dieser Woche auch eine andere interessante Studie gelesen. Da haben Soziologen, Arbeitsforscher und so weiter sich sozusagen mit einem Automatisierungsrisikoindex auseinandergesetzt. Also die haben gesagt, okay, wie hoch ist die Gefahr, dass ein bestimmter Beruf irgendwann einfach automatisiert werden kann?“

Lanz bringt eine aktuelle Studie ins Gespräch, die Berufe nach ihrem Automatisierungsrisiko bewertet. Die überraschende Erkenntnis: Selbst der sicherste Beruf (Physiker) hat bereits einen Automatisierungsindex von 43 Prozent. Am stärksten gefährdet sind Schlachter (78%), relativ sicher Chirurgen und Ingenieure, unsicher Kassierer, Taxifahrer und Models.

🎓 Google Scholar 📄 Original
Germany's Next Topmodel
Serie

Germany's Next Topmodel

Heidi Klum

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:44:10 „Also ich meine, wer einmal Heidi Klum sich angeguckt hat, Germany's Next Topmodel, der sieht, wie großartige, wunderbare, schillernde junge Mädels in Attitude-Roboter verwandelt werden.“

In der Diskussion darüber, ob Models durch Roboter ersetzt werden könnten, verweist Precht auf Germany's Next Topmodel als Beleg für seine These. Er argumentiert, dass das Modelbusiness selbst schon darauf abzielt, Menschen in roboterhafte Wesen zu verwandeln – mit normiertem Gang und unpersönlicher Mimik. Wenn der Beruf ohnehin Menschlichkeit unterdrückt, liege der Ersatz durch Maschinen nahe.

🛒 Amazon * 📺 JustWatch ▶️ YouTube
Bullshit Jobs
Buch

Bullshit Jobs

David Graeber

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:47:02 „Über David Gräber müssen wir noch sprechen. Großartiges Buch. Gab, glaube ich mal, wann war das? 2013 oder so? Hat er diesen Essay geschrieben über Bullshit-Jobs.“

Lanz leitet ein ausführliches Gesprächskapitel über David Graebers Werk ein. Das Buch wird als großartig bezeichnet und bildet den Rahmen für eine lange Diskussion über sinnlose Berufe in modernen Gesellschaften. Graeber kategorisiert darin überflüssige Jobs in Typen wie Lakaien, Schläger, Flickschuster und Kästchenankreuzer – Precht und Lanz gehen alle diese Kategorien im Detail durch.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Economic Possibilities for our Grandchildren
Essay

Economic Possibilities for our Grandchildren

John Maynard Keynes

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:47:54 „Warum ist nicht eingetreten, was der ganz große Ökonom John Maynard Keynes 1930 sagte, dass wir im Jahr 2030 nur noch acht Stunden die Woche arbeiten müssen?“

Im Zusammenhang mit Graebers Bullshit-Jobs-These verweist Precht auf Keynes' berühmte Prognose von 1930, wonach technischer Fortschritt die Arbeitszeit bis 2030 auf acht Wochenstunden reduzieren würde. Graeber nutzt das Scheitern dieser Vorhersage als Ausgangspunkt für seine Analyse: Statt weniger zu arbeiten, haben wir massenhaft sinnlose Berufe erfunden.

Zum Artikel bei Amazon.de