Lanz & Precht – Ausgabe Zweiunddreissig
#032

Ausgabe Zweiunddreissig

Lanz & Precht / 08. April 2022 / 8 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Die Episode kreist um eine zentrale Frage: Woher kommt die wachsende Wut in der Mitte der Gesellschaft? Zwischen einem launigen Einstieg über Robert Musils Gleichgültigkeit gegenüber Orten und Bahn-Kaffee nach dem Motto „Hauptsache immer dasselbe

„Je sensibler eine Gesellschaft wird, umso empfindlicher wird eine Gesellschaft. Und je empfindlicher sie wird, umso aggressiver kann sie dann auch wieder werden.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (8)

Der Mann ohne Eigenschaften
Buch

Der Mann ohne Eigenschaften

Robert Musil · 1930

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:01:06 „Ich muss dann immer denken an meinen Lieblingsschriftsteller Robert Musil, der gesagt hat, es wäre eigentlich völlig egal, wo man ist. Weil die Überschätzung der Frage, wo man ist, stammt aus der Hordenzeit, als man sich die Futterplätze merken musste.“

Precht zitiert Robert Musil als seinen Lieblingsschriftsteller und gibt ein Zitat über die Irrelevanz des Aufenthaltsorts wieder. Das konkrete Werk wird nicht genannt, aber Musil ist vor allem für 'Der Mann ohne Eigenschaften' bekannt, aus dessen gedanklichem Umfeld das Zitat stammen dürfte. Es dient als launiger Einstieg ins Gespräch.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Philosophiegeschichte
Buch

Philosophiegeschichte

Richard David Precht

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:02:10 „Also ich habe zum Beispiel den gestrigen Tag im Zug verbracht. Ich hatte einen Vortrag in Weimar, bin also fünf, sechs Stunden nach Weimar gefahren, fünf, sechs Stunden wieder zurück, habe in der Zeit an meiner Philosophiegeschichte gearbeitet.“

Precht erwähnt beiläufig, dass er im Zug an seiner Philosophiegeschichte arbeitet — gemeint ist seine mehrbändige Reihe 'Erkenne die Welt' / 'Erkenne dich selbst' / 'Sei du selbst'. Die Erwähnung dient als Illustration dafür, wie sehr er sich geistig in seine Arbeit vertiefen kann.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren
Buch

Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren

Svenja Flaßpöhler

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:14:19 „Wir haben hier im Podcast schon mal vor einiger Zeit über das Buch von Svenja Flassböhler gesprochen. Das Buch über Sensibilität. Und sie sagt darin, wir leben heute in der sensibelsten Gesellschaft, die es wahrscheinlich je gegeben hat.“

Precht greift auf Flaßpöhlers Buch zurück, um seine zentrale These zu untermauern: Wachsende Sensibilität führt zu wachsender Empfindlichkeit, und diese Empfindlichkeit kann in Aggression umschlagen. Er nutzt das Buch als theoretischen Rahmen für die Diskussion über die zunehmende Wut in der Gesellschaft.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten
Buch

Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten

Richard David Precht

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:15:03 „Vor wenigen Tagen hat jemand eine Rezension auf Amazon meines neuen Buches Freiheit für alle geschrieben. Das ist ein Buch, da geht es um die Arbeit und vorne auf der ersten Seite ist ein Zitat von Aristoteles, ein wunderschönes Zitat, in dem er sagt, wenn irgendwann Maschinen die ganze menschliche Arbeit leisten, dann braucht es keine Sklaven mehr in dieser Gesellschaft.“

Precht erzählt von einer Amazon-Rezension seines eigenen Buches, um ein Beispiel für überzogene Empfindlichkeit zu illustrieren. Eine Rezensentin hatte das Buch abgelehnt, weil auf der ersten Seite ein Aristoteles-Zitat steht — und Aristoteles frauenfeindliche Ansichten vertrat. Precht nutzt dies als Beleg für eine Kultur, in der Teilperspektiven zum absoluten Maßstab erhoben werden.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
Politik
Buch

Politik

Aristoteles

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:15:03 „Vorne auf der ersten Seite ist ein Zitat von Aristoteles, ein wunderschönes Zitat, in dem er sagt, wenn irgendwann Maschinen die ganze menschliche Arbeit leisten, dann braucht es keine Sklaven mehr in dieser Gesellschaft, keine Ausgebeuteten mehr. Man muss sich das vorstellen. Vierten Jahrhundert vor Christus geschrieben.“

Das Aristoteles-Zitat über Maschinen und Sklaven stammt aus dessen 'Politik'. Precht hat es als Motto auf die erste Seite seines Buches 'Freiheit für alle' gestellt und nutzt die Anekdote der empörten Rezensentin, um zu zeigen, wie identitätspolitische Maßstäbe historische Denker pauschal disqualifizieren.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
🔬
Studie

Concept Creep: Psychology's Expanding Concepts of Harm and Pathology

Nick Haslam

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:19:03 „Es gibt auch einen Begriff dafür, Concept Creep. Kennst du das? Ich glaube, du nennst das immer Shifting Baselines. Wenn sich das so einschleicht, wenn dann plötzlich das immer weiter verschoben wird.“

Lanz und Precht diskutieren, wie sich gesellschaftliche Maßstäbe für Normalität verschieben. Lanz bringt den Fachbegriff 'Concept Creep' ein, den Precht als 'Shifting Baselines' kennt. Der Begriff stammt aus Nick Haslams einflussreicher psychologischer Studie von 2016 über die schleichende Ausweitung von Schadens- und Pathologiebegriffen.

🎓 Google Scholar 📄 Original
Montagsspaziergänge-Reportage im Spiegel
Artikel

Montagsspaziergänge-Reportage im Spiegel

Frauke Huhnfeld

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:29:04 „Ich habe vor einiger Zeit mal ein wirklich gutes, sehr lesenswertes Stück von, ich glaube, Frauke Hohenfeld gelesen im Spiegel, die über die Montagsspaziergänge beschrieben hat. Und diese Frauke Huhnfeld hat sich, ich kenne die nicht persönlich, aber das ist ein wirklich, wirklich guter Text, weil sie sich in bester Reporter-Manier die Mühe gemacht hat, einmal hinzugehen und mit diesen Leuten zu reden.“

Lanz empfiehlt ausführlich eine Spiegel-Reportage über die Corona-Montagsspaziergänge in Sachsen. Er zitiert mehrere Szenen daraus im Detail: einen Hotelier Jens Weißflog in Oberwiesenthal, der zwischen Gäste-Frust und Behörden-Vorgaben zerrieben wird, und einen jungen Polizisten namens Stefan, der statt mit Hooligans plötzlich mit föhnfrisierten Damen und Rentnern konfrontiert wird. Der Artikel dient Lanz als Beleg für seine These der Radikalisierung aus der Mitte.

Zum Artikel bei Spiegel
Buch über die Spaltung in den USA
Buch

Buch über die Spaltung in den USA

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:34:46 „Ich habe dieser Tag in einem großartigen Buch gelesen über die Spaltung in den USA und da gibt es Soziologen, die sagen, eigentlich beginnt das schon so in den 1950er Jahren. Das ist total interessant. Da siehst du auch sozusagen, wie die Toleranz wirklich abgenommen hat.“

Lanz zitiert aus einem nicht namentlich genannten Buch über die politische Polarisierung in den USA. Er nennt konkrete Zahlen daraus: 1960 störten sich nur 5 % der Amerikaner daran, wenn ihr Kind jemanden der anderen Partei heiratete, 2010 waren es bereits 40 %. Das Buch dient ihm als empirischer Beleg dafür, dass politische Intoleranz auch in westlichen Demokratien massiv zugenommen hat.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books