Ausgabe Einunddreissig
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode dreht sich um die bemerkenswerte Wandlung der Grünen in der Regierungsverantwortung: Robert Habeck kauft Flüssiggas in Katar und erklärt, er sei Minister für Deutschland, nicht für die Grünen — während Annalena Baerbock Waffenlieferungen an die Ukraine fordert, obwohl das grüne Wahlprogramm genau das verbieten wollte. Daneben geht es um die Frage, ob Deutschland ein Embargo gegen russisches Gas wagen sollte und warum das Thema Ökologie als Menschheitsaufgabe immer weiter in den Hintergrund rückt.
„Das Primat der Ökologie als das wichtigste Menschheitsthema im 21. Jahrhundert wird jeden Tag ein bisschen weiter nach unten durchgereicht.“
Erwähnte Medien (6)
Unverfügbarkeit
Hartmut Rosa
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:02:04 „Wir haben über den Zauber ja mal gesprochen, anlässlich von Hartmut Rosas Buch über Unverfügbarkeit.“
Precht und Lanz sprechen über den Zauber des Schneefalls und Precht erinnert an eine frühere Folge, in der sie dieses Thema anhand von Hartmut Rosas Konzept der Unverfügbarkeit – also jener Momente, die sich nicht planen oder kontrollieren lassen – diskutiert haben. Der Schneefall dient als perfektes Beispiel für ein unverfügbares Naturereignis.
Ansprache zur Ölkrise 1973
Willy Brandt
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:06:27 „Da hat Brandt eine Ansprache gemacht und auch einen Erlass gab es dazu, ein Gesetz und hat gesagt, okay, wir haben jetzt ein Problem, wir haben nicht mehr genug Öl. Was müssen wir machen? Energie sparen. Verzichten. Die berühmten autofreien Sonntage.“
Richard David Precht zieht eine Parallele zwischen der heutigen Energieabhängigkeit von Russland und der Ölkrise 1973. Er argumentiert, dass Willy Brandt damals den Mut hatte, den Deutschen Verzicht zuzumuten – autofreie Sonntage, Geschwindigkeitsbegrenzungen, reduzierte Heizung – statt sich an problematische Lieferanten zu wenden.
Gastbeitrag im Tagesspiegel zum Energieembargo
Anton Hofreiter
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:42:46 „Aber Toni Hofreiter hat gerade im Tagesspiegel, sehr lesenswert übrigens, ein langes Stück darüber geschrieben, warum er absolut dafür ist, auszusteigen. Fordert sozusagen ein Energieembargo gegen Russland und begründet das auch relativ deutlich.“
Im Gespräch über die innerparteiliche Spaltung der Grünen in der Frage der Russland-Sanktionen erwähnt Lanz einen aktuellen Tagesspiegel-Beitrag von Anton Hofreiter. Hofreiter positioniert sich darin klar für ein Energieembargo gegen Russland und wird dabei von CDU-Politiker Norbert Röttgen unterstützt – eine ungewöhnliche Allianz, die die parteiübergreifende Dynamik der Debatte zeigt.
Offener Appell gegen Waffenlieferungen an die Ukraine
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:43:36 „Sarah Lee Heinrich, Timon Zenius, die haben gerade diesen Appell unterschrieben. Da haben sich eine ganze Reihe von Intellektuellen einen Appell angeschlossen, die gesagt haben, keine Waffenlieferungen in die Ukraine, weil das den Krieg nur verlängert.“
Precht nennt den öffentlichen Appell gegen Waffenlieferungen als Beleg für die tiefe Spaltung innerhalb der Grünen. Während die Parteiführung um Baerbock und Beck schwere Waffen befürwortet, haben sich junge Grüne wie die Bundesvorsitzenden der Grünen Jugend dem Appell von Intellektuellen angeschlossen, der genau das Gegenteil fordert. Precht sieht darin ein Zeichen, dass die Partei diesen Spagat nicht überleben kann.
Zeitenwende – Der Anfang nach dem Ende
Joschka Fischer
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:45:13 „Ich habe in dem neuen Buch von Joschka Fischer ein bisschen gelesen. Das ist ein gutes Buch und der ist eigentlich so ziemlich auf deiner Seite. Der sagt, die Weltpolitik muss sich im Kampf gegen den Klimawandel und um Ressourcen hin zu einer Logik der Selbsterhaltung als Gattung bewegen.“
Lanz bringt Joschka Fischers neues Buch als Brücke in die Debatte ein, weil Fischer darin eine These vertritt, die Prechts Position stützt: Das ökologische Überleben der Menschheit als Gattung müsse über geopolitische Machtkämpfe gestellt werden. Precht stimmt enthusiastisch zu und nutzt das als Ausgangspunkt, um die Gründungsgeschichte der Grünen in den 1980er Jahren mit der aktuellen Lage zu vergleichen.
Fleischfabrik Deutschland
Anton Hofreiter
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:55:19 „Er hat mir mal sein Buch über Massentierhaltung geschickt. Okay, das ist ein gutes Buch übrigens. Sehr gutes Buch. Über Schweinehaltung.“
Am Ende des Gesprächs kommen Lanz und Precht auf Anton Hofreiter als Person zu sprechen. Precht offenbart sich als langjähriger stiller Bewunderer Hofreiters, insbesondere wegen dessen konsequentem Einsatz für die Agrarwende. Er erwähnt, dass Hofreiter ihm persönlich sein Buch über Massentierhaltung geschickt habe, und empfiehlt es ausdrücklich als sehr gutes Buch.