Ausgabe Sechsundzwanzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Aufgenommen am Mittag des russischen Einmarsches in die Ukraine am 24. Februar 2022, ringt diese Folge mit dem Schock über die Explosionen in Kiew seit den frühen Morgenstunden. Statt des geplanten Themas dreht sich alles um das Scheitern der Idee Wandel durch Handel — und die schmerzhafte Erkenntnis, dass Deutschland noch nach der Krim-Annexion 2014 die Verträge für Nord Stream 2 unterzeichnete.
„Ich bin einfach unendlich, unsagbar traurig über das, was da passiert.“
Erwähnte Medien (4)
Rede Wladimir Putins im Deutschen Bundestag
Wladimir Putin
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:10:01 „Der hat 2001 im Bundestag auf Deutsch diese Rede gehalten, wo er von dieser großen Freihandelszone träumte, von Vladivostok bis nach Lissabon, das war so die große Idee.“
Lanz verweist auf Putins berühmte Bundestagsrede von 2001 als Beleg dafür, wie sehr sich Russlands Kurs verändert hat. Damals warb Putin auf Deutsch für eine gemeinsame Freihandelszone von Wladiwostok bis Lissabon und zeigte sich offen für eine Annäherung an den Westen – ein scharfer Kontrast zur aktuellen Aggression.
Die Kunst, kein Egoist zu sein
Richard David Precht · 2010
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:23:10 „Also ich hatte mich damit wirklich mal lange beschäftigt. Ich habe mal in meinem Buch »Die Kunst, kein Egoist zu sein« darüber geschrieben. Und bin dort auf einen Schweizer Anthropologen gestoßen, der nicht nur ein unglaublich sympathischer Mensch ist, sondern auch ein großer seines Fachs.“
Precht greift auf sein eigenes Buch zurück, um die Frage zu beantworten, warum Länder und Völker Kriege führen. In diesem Buch hat er sich intensiv mit der Anthropologie des Krieges beschäftigt und dabei den Schweizer Anthropologen Jürg Helbling und dessen Forschung entdeckt.
Tribale Kriege
Jürg Helbling
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:23:23 „Und der hat einen 600 Seiten Wälzer geschrieben. Der hat den etwas sozusagen nicht so griffigen Titel Tribale Kriege. Und darin versucht er genau diese Frage zu beantworten.“
Precht empfiehlt dieses anthropologische Fachbuch als zentrale Quelle für die Frage, warum Menschen Kriege führen. Der Autor, ein Schweizer Anthropologe, hat unter anderem bei einem Volk auf den Philippinen gelebt, das nie Krieg geführt hat, und leitet daraus zwei Hauptbedingungen für Krieg ab: Sesshaftigkeit und das Fehlen einer Zentralgewalt als Schiedsrichter.
Interview mit Christoph Heusgen in der Bild-Zeitung
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:28:13 „Und der sagt, dieser Tage, nachdem Putin seine radikalen Schritte da in der Ostukraine verkündet hat, den Kollegen von Bild, der Bild-Zeitung, man sei, ich zitiere, zu gutgläubig gewesen und habe, wieder Zitat, Putins Brutalität und Skrupellosigkeit immer unterschätzt.“
Lanz zitiert ein aktuelles Interview von Christoph Heusgen, dem langjährigen außenpolitischen Berater Angela Merkels, mit der Bild-Zeitung. Heusgens Eingeständnis, man habe Putins Brutalität unterschätzt, nutzt Lanz als Beleg dafür, wie fundamental sich die deutsche Einschätzung Russlands gewandelt hat – selbst bei den engsten Beratern der Kanzlerin.