Ausgabe Elf
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode beginnt mit Reiseeindrücken aus den USA: Eine chaotische Anreise über New York nach Atlanta mündet in eine eindringliche Schilderung der demütigenden Einreiseprozedur, bei der Reisende stundenlang in schlecht belüfteten Räumen warten und intimste Fragen beantworten müssen — ein Erlebnis, das die Wertschätzung für das Funktionieren des deutschen Alltags schärft. Daraus entspinnt sich eine Reflexion über Empfindlichkeit und Bedürfnisaufschub: Wie leicht kultivierte Sensibilität in Dünnhäutigkeit und Aggression umschlagen kann.
„In dem Moment, wo ich meine Sensibilität kultiviere, dann passiert es ganz, ganz leicht, dass ich sehr empfindlich werde und mich von allem angegriffen, gereizt, beleidigt fühle und so weiter und entsprechend aggressiv darauf reagiere.“
Erwähnte Medien (9)
Ich komme nicht mehr mit
Kester Schlenz
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:10:01 „Ich habe gerade einen schönen Text gelesen, den unser Freund Kester geschrieben hat in Stern. Der hat mir so aus der Seele gesprochen.“
Precht und Lanz diskutieren über die Überforderung durch Informationsflut und gesellschaftliche Komplexität. Precht empfiehlt den Stern-Artikel von Kester Schlenz, der beschreibt, wie einfache Dinge kompliziert geworden sind – vom Sprachgebrauch bis zur unübersichtlichen Weltlage. Der Artikel wird ausführlich zitiert und bildet den thematischen Rahmen für das gesamte Gespräch.
Die Kunst des klaren Denkens
Rolf Dobelli
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:13:22 „Und Kester zitiert das ja auch. Rolf Dobelli hat ja mal ein Buch geschrieben, der gesagt hat, wenn man geistig vorwärts kommen will, sollte man keine News lesen.“
Im Zusammenhang mit dem Stern-Artikel von Kester Schlenz erwähnt Precht Rolf Dobellis These, man solle keine Nachrichten konsumieren, um geistig voranzukommen. Precht ergänzt, sein eigener Vater vertrete diese Ansicht bereits seit 40 Jahren. Der genaue Buchtitel wird nicht genannt, es handelt sich vermutlich um Dobellis bekannte Ratgeber-Bücher zum klaren Denken.
Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren
Svenja Flaßpöhler
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:17:04 „Svenja Flasspöhler, die hast du, glaube ich, demnächst in der Sendung. Hatte ich letzte Woche in der Sendung. Die wir beide, glaube ich, sehr schätzen. Hat ein tolles Buch gemacht über diese neue Sensibilität, die sie von allen möglichen Seiten beleuchtet.“
Im Gespräch über zunehmende gesellschaftliche Sensibilität und die Frage, ob Gendern und Sprachsensibilität ein Fortschritt sind, empfiehlt Lanz das Buch von Svenja Flasspöhler. Sie beleuchte darin die neue Sensibilität von verschiedenen Seiten – sowohl die positiven Aspekte als auch die Probleme übertriebener Empfindlichkeit.
Unverfügbarkeit
Hartmut Rosa
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:19:24 „Kester zitiert da seinen Lieblingssoziologen Hartmut Rosa, mit dem haben wir neulich kurz gesprochen. Über die Unverfügbarkeit, das spielt ja da alles mit rein. Hartmut Rosa spricht von, ich zitiere, erbarmungslosen Steigerungszwängen, die uns krank machen.“
Lanz verknüpft den Stern-Artikel von Kester Schlenz mit Hartmut Rosas Konzept der Unverfügbarkeit. Rosa beschreibt erbarmungslose Steigerungszwänge, die Menschen krank machen. Das Konzept zieht sich als roter Faden durch das Gespräch – die Idee, dass wir in einer Kultur der Sofortness leben und keinen Bedürfnisaufschub mehr ertragen.
21 Lektionen für das 21. Jahrhundert
Yuval Noah Harari · 2018
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:23:04 „Der Zensor der Neuzeit überflutet die Welt mit Informationen. Das ist, glaube ich, so ein Harari-Gedanke, den ich sensationell finde, weil er genau auf den Punkt trifft, worum es eigentlich geht.“
Lanz zitiert einen Gedanken, den er Harari zuschreibt: Während der Zensor der Vergangenheit Informationen zurückhielt, überflutet der moderne Zensor die Welt mit Informationen. Lanz findet diesen Gedanken sensationell treffend im Kontext der Diskussion über Datenflut und Überforderung. Der genaue Buchtitel wird nicht genannt.
The Hill We Climb
Amanda Gorman
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:30:20 „In den Niederlanden war, glaube ich, das Buch einer schwarzen Schriftstellerin, das durfte dann nicht von einer Weißen übersetzt werden. Oder dass jemand, der keine körperliche Behinderung hat, niemanden mit einer körperlichen Beeinträchtigung spielen darf.“
Precht diskutiert Beispiele für übertriebene Sensibilität und Identitätspolitik. Er verweist auf den Fall in den Niederlanden, wo die weiße Übersetzerin Marieke Lucas Rijneveld das Inaugurationsgedicht von Amanda Gorman nicht übersetzen durfte. Der Name wird im Gespräch als 'Amanda Gore' wiedergegeben.
Cry Macho
Clint Eastwood
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:39:34 „Ich habe vorgestern den Film Crime Macho gesehen. Von Clint Eastwood. Das ist ein Film, der spielt Ende der 70er Jahre. Und das erzählt die Geschichte, wie ein Cowboy im Auftrag seines ehemaligen Arbeitgebers und vielleicht Freundes nach Mexiko fährt, um da den Jungen dieses Mannes zu entführen und in die Staaten zu bringen.“
Precht nutzt den Film als Beweis für seine These, dass bestimmte Geschichten heute nicht mehr erzählbar wären. Einerseits, weil ein Smartphone die Idylle der Zweisamkeit zwischen Eastwood und dem Jungen zerstören würde, andererseits, weil der Film voller mexikanischer Klischees steckt, die man heute nicht mehr drehen könnte. Deshalb musste die Handlung in die Vergangenheit verlegt werden.
Gran Torino
Clint Eastwood
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:40:58 „Den Film muss ich mir angucken. Das klingt toll, was du da erzählst. So ein bisschen wie The Grand Torino. Ja, Grand Torino. So ein großartiger Film. Einer der größten Filme der Filmgeschichte.“
Lanz zieht spontan eine Parallele zwischen Cry Macho und Gran Torino, einem weiteren Eastwood-Film über eine generationenübergreifende Beziehung. Precht stimmt enthusiastisch zu und nennt Gran Torino einen der größten Filme der Filmgeschichte.
The Good, the Bad and the Ugly
Sergio Leone
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:45:35 „Du weißt, ich habe diese Szene vor Augen, wo Clint Eastwood an dieser Zigarette zieht und sie seinem Gegenüber gibt und sagt, hier, nimm ein paar Züge, dann kannst du gut kacken. Ja, das ist in The Good, The Bad and The Ugly.“
Lanz erinnert sich an eine ikonische Szene mit Clint Eastwood und Tuco (gespielt von Eli Wallach), um Eastwoods lakonischen Umgang mit schwierigen Situationen zu illustrieren. Precht ergänzt, dass Eli Wallach erst kürzlich mit über 90 gestorben sei. Die Szene dient als humorvoller Kontrapunkt zur Sensibilitätsdebatte – ein Beispiel für eine unverfrorene Haltung, die heute kaum mehr denkbar wäre.