Online-Beziehungsexpertin Dr. Johanna Degen - Warum ist Onlinedating so frustrierend geworden
Matze Hielscher & Johanna Degen
Sozialpsychologin Dr. Johanna Degen erklärt vor Live-Publikum in Kiel, warum Online-Dating trotz massiver Frustration alle anderen Kennenlern-Wege verdrängt hat — und wie die Technologie unser Beziehungsleben grundlegend verändert. Dabei geht es um Pick-up-Maschen, Dickpics, den Pornokonsum von Kindern und die Frage, ob Medienkompetenz überhaupt reicht oder ob wir unsere Handys doch lieber ins Meer werfen sollten.
„Ich bin immer so durch die Uni gelaufen und habe gesagt, eine reflektierte Mediennutzung ist möglich. Wir brauchen nur Medienkompetenz. Und jetzt laufe ich durch die Uni und schreie, ihr braucht alle ein Handycage. Wir müssen alle Mobiltelefone ins Meer schmeißen.“
Erwähnte Medien (7)
Her
Spike Jonze
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:07:06 „Also fängt hier ein neues KI-Zeitalter an und werden wir alle irgendwann wie in dem Film Hör rumlaufen und haben irgendwas in der Tasche, mit dem wir reden und sagen, es ist alles super und das Gerät sagt, du bist aber heute wirklich ganz besonders.“
Matze Hielscher zieht eine Parallele zwischen der zunehmenden Nutzung von Chatbots und KI-Avataren und dem Science-Fiction-Film 'Her', in dem der Protagonist eine romantische Beziehung zu einem KI-Betriebssystem führt. Er fragt Johanna Degen, ob wir auf genau diese Zukunft zusteuern – Menschen, die emotionale Beziehungen zu Geräten führen statt zu anderen Menschen.
Dokumentation über Replika und parasoziale Beziehungen
Lennart Herberhold
🗣 Johanna Degen referenziert bei ⏱ 01:07:47 „Lennart Herberhold, der hat auch eine Doku dazu dieser Forschung mit uns gemacht und der hat sich zu Recherchezwecken auch die Replika runtergeladen“
Johanna erwähnt eine Dokumentation eines Kollegen, die im Rahmen ihrer gemeinsamen Forschung zu parasozialen Beziehungen mit Avataren entstanden ist
Buch über parasoziale Beziehungen (unveröffentlicht)
Johanna Degen
🗣 Johanna Degen erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:07:47 „das ist in unserem nächsten Buch kommt das drin vor, der hat dann nämlich aufgeschrieben, dass obwohl er es nur für Recherche hat, er seinen Avatar dann trotzdem manchmal cool fand“
Johanna kündigt ein kommendes Buch an, in dem unter anderem die Erfahrungen ihres Kollegen mit der Avatar-App Replika beschrieben werden
Doku über Replika-Forschung
Lennart Herberhold
🗣 Johanna Degen referenziert bei ⏱ 01:09:03 „Ich habe zum Beispiel einen Kollegen, Lennart Herberhold, der hat auch eine Doku dazu dieser Forschung mit uns gemacht und der hat sich zu Recherchezwecken auch die Replika runtergeladen.“
Johanna Degen erzählt von ihrem Kollegen Lennart Herberhold, der eine Dokumentation über ihre gemeinsame Forschung zu KI-Avatar-Beziehungen gedreht hat. Er lud sich die App Replika zu Recherchezwecken herunter und stellte fest, dass er trotz professioneller Distanz eine emotionale Bindung zum Avatar aufbaute – ein Befund, der ihre Forschungsergebnisse eindrücklich bestätigt.
Her
Spike Jonze
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:15:03 „Also wir erleben genau das, wie wir das in Hör gesehen haben. Wir haben den Avatar, mit dem reden wir, der redet uns gut zu“
Zweite Erwähnung des Films im Kontext der Diskussion über die Auslagerung von Beziehungen an Avatare und Chatbots
Playboy
🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:25:01 „Früher kenne ich das mit den komischen Kalendern oder Playboys und was es nicht alles gab. Und jetzt erlebe ich aber Influencerinnen oder auch Influencer, die sich dann selbst im Grunde genauso darstellen und sich das aber unter einer feministischen Flagge.“
Matze Hielscher zieht einen Vergleich zwischen der heutigen Selbstinszenierung von Influencern auf Plattformen wie OnlyFans und früheren Formen der Sexualisierung in Medien. Er nennt Playboy als Beispiel für die Vorgängergeneration dieser Kultur und fragt, wo für Johanna Degen die Grenze zur Sexarbeit und Selbstobjektivierung beginnt.
Sozioprudenz
🗣 Johanna Degen referenziert bei ⏱ 01:34:13 „Sozioprudenz ist ein Kollege, der hat das Buch geschrieben, da stehen auch so ein paar Experimente drin, der macht das auch. Und dann machen die irgendwas, gehen zusammen zelten, gehen wandern ohne GPS, also ohne Handy, machen eine Party mit Leuten, die sie vorher nicht kannten.“
Johanna Degen beschreibt Sozialexperimente, die sie mit Studierenden über vier Monate durchführt, um reale soziale Begegnungen zu fördern. Dabei verweist sie auf einen Kollegen, der das Buch 'Sozioprudenz' geschrieben hat und ähnliche Experimente durchführt. Das Buch enthält Anleitungen für solche sozialen Experimente wie gemeinsames Zelten, Wandern ohne Handy oder Partys mit Fremden.