Wiederhören im Hotel Matze mit Michel Friedman (2023)
Matze Hielscher & Gäste
Michel Friedman erzählt von seinem Vater, der ihn als Kind im Schwarzwald mangels Geld für den Skilift sieben, acht, neun Mal am Tag mit den Skistöcken den Hang hochschleppte — ein Bild bedingungsloser Liebe. Er spricht über seinen tiefen Fall nach dem Skandal 2003, die Frage, ob er weiterleben will, und seinen Weg zurück. Dabei offenbart sich ein Mensch, dessen Lebensantrieb die Begegnung mit anderen ist und der das Menschsein selbst zum Thema macht.
„Manchmal hatten wir dann kein Geld mehr für den Skilift. Und dann hat mein Vater mich mit den Skistöcken nach oben geschleppt. Manchmal sieben, acht, neun Mal an einem Tag. Und das ist Liebe.“
Erwähnte Medien (18)
Beitrag über Michel Friedman (2003)
Christoph Schlingensief
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:03:22 „Und auch in diesem schon jetzt öfters genannten Beitrag von 2003 mit Christoph Schlingensief, dann sieht man sie im Panzerwagen im Grunde. Also sie waren damals Morddrohungen ausgesetzt, sie waren so ein wirklich, jeder kannte sie, hatte irgendeine Meinung.“
Matze Hielscher bezieht sich wiederholt auf einen Film oder TV-Beitrag von 2003, in dem Christoph Schlingensief Michel Friedman durch die Frankfurter Nacht begleitet. Friedman selbst spricht später von 'dieser Faszination dieses Films, das ja bis heute immer wieder, auch jetzt wieder 16-, 18-Jährige sich anschauen'. Der Film zeigt Friedman in seiner damaligen Lebensphase – gepanzert, bedroht, aber nach außen furchtlos.
Durch die Nacht mit...
🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 00:04:22 „Eine Sache, die kannte ich aber schon vorher und nochmal geguckt habe mit ganz anderen Augen, ist Ihre Nacht mit Christoph Schlingensief in Frankfurt.“
Friedman und Hielscher sprechen über die Arte-Sendung, in der Friedman und Christoph Schlingensief sich in Frankfurt kennenlernten. Die Folge wird als Kultklassiker bezeichnet, der von jungen Menschen wiederentdeckt wird.
Friedmann
🗣 Michel Friedman erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:04:22 „Der war anschließend bei mir dann in der Sendung Friedmann und da haben wir ein sehr tolles Gespräch gehabt, also in der Fernsehsendung der ARD.“
Friedman erwähnt seine eigene ARD-Talkshow, in der er nach der Arte-Nacht ein weiteres Gespräch mit Schlingensief führte.
Durch die Nacht mit... (Folge mit Christoph Schlingensief)
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:04:22 „Eine Sache, die kannte ich aber schon vorher und nochmal geguckt habe mit ganz anderen Augen, ist Ihre Nacht mit Christoph Schlingensief in Frankfurt. Erinnern Sie sich noch dran?“
Matze Hielscher erzählt, dass er die Folge von 'Durch die Nacht mit...' mit Michel Friedman und Christoph Schlingensief gesehen hat. Er bezieht sich im späteren Gespräch auf einen konkreten Satz aus dieser Sendung über Authentizität und nutzt die Folge als Gesprächseinstieg in das Thema Echtheit und Selbstsein.
Durch die Nacht mit...
🗣 Michel Friedman empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:06:38 „Da gibt es eigentlich eine der besten Porträts mit mir und haben sie auch abgeschafft. Also, wie auch immer. Habe ich mir noch nicht angeguckt. [...] auch dieses Durch die Nacht, ein geiles Format.“
Michel Friedman und Matze Hielscher sprechen über die Arte-Sendung 'Durch die Nacht mit...', in der Friedman und Christoph Schlingensief sich in Frankfurt kennenlernten. Beide schwärmen vom Format – Friedman nennt es ein 'geiles Format' und bedauert die Absetzung. Die Folge mit Schlingensief wird als 'Kultklassiker' bezeichnet, der von jungen Menschen wiederentdeckt wird.
Mavi
🗣 Michel Friedman empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:06:38 „Sendung, die hieß Mavi. Da gibt es eigentlich eine der besten Porträts mit mir und haben sie auch abgeschafft. [...] Mavi, das hat die AVE produziert mit Felix Schmidt noch.“
Michel Friedman erwähnt die TV-Sendung 'Mavi' als ein weiteres abgesetztes Format, das er schätzte. Er bezeichnet das dort entstandene Porträt über ihn als eines der besten. Matze Hielscher notiert sich den Titel, um es sich anzuschauen. Felix Schmidt und die Produktionsfirma AVE werden als Macher genannt.
Fremd
Michel Friedman
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:07:29 „Und in Ihrem Buch fremd schreiben Sie jetzt, sinnlose Hoffnung, authentisch sein.“
Matze Hielscher zitiert aus Friedmans Buch, in dem dieser Authentizität als sinnlose Hoffnung beschreibt – ein zentrales Gesprächsthema der Episode.
Fremd
Michel Friedman
🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 00:21:40 „Ich habe das in dem Buch fremd geschrieben. Meine Eltern waren die Friedhofswärter und ich ihr jüngster Lehrling. Ich habe kein Urvertrauen. Ich bin wirklich auf einem Friedhof geboren, in einem sehr traurigen Haus.“
Michel Friedman spricht über seine Kindheit und das fehlende Urvertrauen. Sein autobiografisches Buch 'Fremd' wird mehrfach im Gespräch erwähnt – es ist das zentrale Werk, in dem er seine Lebensgeschichte als Kind von Holocaust-Überlebenden, seine Migrationserfahrung und die Suche nach Identität verarbeitet. Matze Hielscher bezieht sich ebenfalls darauf, wenn er Friedmans These über Authentizität als 'sinnlose Hoffnung' zitiert.
Der Glöckner von Notre-Dame
Victor Hugo
🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 00:22:43 „Und das musste ja irgendwie dann wieder zusammenwachsen, sonst wäre ich jetzt so wie der Glöckler von Notre Dame hier.“
Michel Friedman erzählt von seiner schweren Verbrennung als Kleinkind in Paris und vergleicht sich scherzhaft mit dem Glöckner von Notre-Dame. Die Referenz dient als bildhafte Beschreibung, wie schlimm die Verletzungen hätten ausgehen können, wenn die Haut nicht zusammengewachsen wäre.
Schindlers Liste
Steven Spielberg
🗣 Michel Friedman erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:23:45 „Und mit der Geschichte meiner Eltern eben, dass 50 Menschen gestorben sind und drei überlebt haben, weil sie auf Schindlers Liste waren, den ich kannte.“
Michel Friedman erwähnt Schindlers Liste im Kontext seiner Familiengeschichte – seine Eltern und Großmutter überlebten den Holocaust, weil sie auf Oskar Schindlers Liste standen. Es ist hier primär ein historischer Bezug, der aber unweigerlich auch das bekannte Buch bzw. den Film von Spielberg evoziert. Friedman kannte Schindler persönlich, der bei seiner Bar Mitzvah Ehrengast war.
Flüchtlingsgespräche
Bertolt Brecht
🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 00:28:33 „Brecht hat dazu ja auch etwas ganz Wunderbares geschrieben, was ist eigentlich das Leben, der Pass. Also dieses Pass haben, ein Dokument haben, das alles kenne ich, seit ich ein kleines Kind bin.“
Michel Friedman spricht über die Bürokratie der Ausländerbehörden und die Bedeutung von Ausweispapieren für Geflüchtete. Er verweist auf Bertolt Brecht, der über die absurde Bedeutung des Passes geschrieben hat – vermutlich die 'Flüchtlingsgespräche', in denen der berühmte Satz steht: 'Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen.' Friedman verbindet dies mit seiner eigenen Erfahrung als staatenloses Kind.
Holocaust
Marvin J. Chomsky
🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 00:40:53 „Und nur durch den Film mit Steven Spielberg, wir kommen irgendwann mal, nachdem auch der Holocaust-Film in den 80er Jahren war, Deutschland dazu zu sagen, wow, solche Menschen gab es und gibt es und es kommt aber von außen nach innen, es war nie von innen nach innen.“
Michel Friedman spricht über Oskar Schindler und dessen mangelnde Anerkennung in Deutschland. Er erwähnt die Holocaust-TV-Serie der späten 70er/80er Jahre als Wendepunkt, der zusammen mit Spielbergs Film dazu beitrug, dass Deutschland sich mit seiner Geschichte auseinandersetzte.
Der Archipel Gulag
Alexander Solschenizyn
🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 00:52:07 „Übrigens noch damals auch gegen die Sowjetunion, die schon damals mit ihren Gulags Menschen nicht nur eingesperrt hat, sondern in diesen Gefängnissen eigentlich zu Tode bringen wollten und solche Schriftsteller wie Solzhenitsyn und andere lebten da.“
Michel Friedman erzählt von seiner frühen politischen Aktivität und Demonstrationen gegen die Sowjetunion bei der Buchmesse. Er erwähnt Solschenizyn als inhaftierten Schriftsteller im Gulag-System, eine implizite Referenz auf dessen berühmtes dokumentarisches Werk über das sowjetische Lagersystem.
Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft
Hannah Arendt
🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 00:54:30 „Die einzige, die ich für alle Formen dessen, was wir Liebe nennen... Die Idee der Menschenrechte hat das Besondere, wie Hannah Arendt das sagt, es gibt das Recht, Rechte zu haben. Das heißt, die sind unverhandelbar.“
Michel Friedman reflektiert über Menschenrechte und deren Bedeutung für ihn als Kind einer Holocaust-überlebenden Familie. Er zitiert Hannah Arendts berühmtes Konzept vom 'Recht, Rechte zu haben', das aus ihrem Hauptwerk 'Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft' stammt.
Die Protokolle der Weisen von Zion
🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 01:00:24 „Also auch Bücher, die dann geschrieben werden aus diesen Szenen bis hin zu diesen Weisen von Zion, all diese Geschichten sind erfunden, sind Konstruktionen, sind Nachbegründungen, aber sie sind immer Pseudo-Begründungen.“
Friedman erklärt die Mechanismen des Antisemitismus und nennt die 'Protokolle der Weisen von Zion' als Paradebeispiel für pseudorationale Nachbegründungen von Judenhass. Er ordnet das Werk in eine Reihe erfundener Konstruktionen ein, die irrationale Vorurteile scheinbar legitimieren sollen.
Minima Moralia
Theodor W. Adorno
🗣 Michel Friedman referenziert bei ⏱ 01:02:04 „Und wenn man sich also vorstellt, 2000 Jahre, dann passiert das, was Theodor Adorno dazu sagt, er bezeichnet den Antisemitismus mit der kürzesten, wie ich finde, aber besten Definitionen, er sagt, Zitat, das ist das Gerücht über die Juden.“
Im Gespräch über die Ursachen des Antisemitismus zitiert Friedman Adornos berühmte Definition aus den 'Minima Moralia': Antisemitismus sei 'das Gerücht über die Juden'. Friedman hält dies für die kürzeste und beste Definition und nutzt sie, um zu erklären, wie über Jahrhunderte ein diffuses Nebelnetz aus Vorurteilen gesponnen wurde, das rational nicht greifbar ist.
Friedman
Michel Friedman
🗣 Michel Friedman erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:43:53 „Das war Vorsicht Friedmann. Dann kam die ARD-Sendung Friedmann mit diesem Love Chair.“
Im Anschluss an die Erwähnung von 'Vorsicht Friedman' nennt Friedman seine nachfolgende ARD-Sendung, die durch den ikonischen 'Love Chair' bekannt wurde. Es ist eine knappe Erwähnung im Kontext seiner Fernsehkarriere-Chronologie.
Interview in der Süddeutschen Zeitung
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:46:05 „Ihre Eltern sind dann gestorben in dieser Zeit und sie sagten dazu, ich glaube es war in der SZ, es gab kein Fühlen mehr, nur bleischwere Trauer, mich selbst eingeschlossen, mich selbst abgeschlossen, um mich hohe Mauern.“
Matze Hielscher zitiert aus einem Interview, das Friedman vermutlich der Süddeutschen Zeitung gegeben hat, in dem er über den Tod seiner Eltern und die darauffolgende emotionale Verpanzerung sprach. Das Zitat dient als Gesprächsbrücke zum Thema Trauer und innere Abschottung nach dem Verlust der Eltern.