Ricarda Lang - Wie schwer fällt es dir, du selbst zu sein
Matze Hielscher & Gäste
Ricarda Lang spricht über den Spagat zwischen politischer Rüstung und Menschlichkeit — darüber, wie das Amt einen formt, warum sie sich trotzdem kein dickes Fell wachsen lassen will, und wie die Arbeitslosigkeit ihrer Mutter nach der Schließung eines Frauenhauses sie mit 18 in die Politik trieb.
„Ich will mir aber gar kein dickes Fell wachsen lassen, weil ich auch in der Politik Mensch bleiben will.“
Erwähnte Medien (3)
Das andere Geschlecht
Simone de Beauvoir
🗣 Ricarda Lang empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:15:43 „Und ich habe dann, als ich ungefähr, vielleicht war ich da Ende Teenager, Anfang Zwanziger, Simone de Beauvoir, das andere Geschlecht gelesen, die ja genau das, finde ich, schafft, Mängel zu beschreiben, ohne Opfer zu werden.“
Ricarda Lang spricht über den prägenden Satz ihrer Mutter 'Lass dir von keinem sagen, wer du sein sollst' und wie sie später in Beauvoirs Werk vieles aus ihrer eigenen Erziehung wiedererkannte – das Subjekt-Bleiben, sich selbst definieren, Existenzialismus.
Ungleich verteilt
Steffen Mau
🗣 Ricarda Lang empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:40:34 „Und da fand ich jetzt ganz spannend das Buch, das ich gerade lese, Ungleich verteilt von Steffen Mau, der über die Wiedervereinigung spricht und warum aus seiner Sicht die Angleichungsthese, also irgendwann wird der Osten schon nachholen und dann genauso werden, wie der Westen nicht funktioniert.“
Im Gespräch über demokratische Beteiligung und die Kluft zwischen Politik und Bürgern kommt Ricarda Lang auf ihre aktuelle Lektüre zu sprechen. Steffen Maus Buch argumentiert, dass die Annahme einer automatischen Angleichung der ostdeutschen an die westdeutschen Bundesländer nicht aufgeht. Lang nutzt die These, um zu erklären, warum gerade im Osten andere Formen demokratischer Beteiligung jenseits der klassischen Parteiendemokratie nötig seien.
The End of History and the Last Man
Francis Fukuyama
🗣 Ricarda Lang referenziert bei ⏱ 01:59:33 „Ich würde vielleicht sogar sagen, wir leben in so einer Zeit vom Ende der Geschichte. Also eine Vorstellung, mit der meine Generation ja total aufgewachsen ist. Genau, nach dem Fall der Sowjetunion. Jetzt wird sich mit der Marktwirtschaft weltweit Liberalismus und Demokratie ausbreiten. Die Zeit der großen Systemkonkurrenz ist vorbei. Es wird nur noch besser. Fühlt sich nicht so an, 30 Jahre später.“
Ricarda Lang spricht über die veränderte geopolitische Lage und das Gefühl, dass die Welt nicht ruhiger, sondern krisenhafter geworden ist. Sie verweist auf Fukuyamas These vom 'Ende der Geschichte' – die Idee, dass nach dem Fall der Sowjetunion liberale Demokratie und Marktwirtschaft sich weltweit durchsetzen würden – und stellt fest, dass sich diese optimistische Prognose 30 Jahre später überhaupt nicht bewahrheitet hat. China, Russland und die geopolitische Lage zeigten das Gegenteil.