Franz Rogowski - Warum bist du so schamlos
Matze Hielscher & Gäste
Franz Rogowski spricht über seinen Weg vom Scheitern im Bildungssystem zum international gefeierten Arthouse-Schauspieler. Er reflektiert, wie Dysfunktionalität ihm paradoxerweise seinen Platz in der Gesellschaft gewiesen hat, und warum er in jedem Scheusal einen verletzten Menschen sieht, der nicht anders handeln kann.
„Es gibt so ein paar Orte, die halt in der Gesellschaft denen gegeben werden, die nach bestimmten Kriterien dysfunktional sind.“
Erwähnte Medien (21)
Fikkefuchs
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:02:04 „Ich habe gesehen von ihm Ficke Fuchs, ich habe Viktoria gesehen, Undine, Transit. Immer wenn ich seinen Namen auf dem Filmplakat sehe, dann weiß ich, dieser Film ist etwas Besonderes.“
Matze Hielscher stellt seinen Gast Franz Rogowski vor und zählt die Filme auf, die er von ihm gesehen hat. Er beschreibt Rogowski als jemanden, der für den Arthouse-Film steht wie kaum ein anderer deutscher Schauspieler.
Undine
Christian Petzold · 2020
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:02:09 „Ich habe gesehen von ihm Ficke Fuchs, ich habe Viktoria gesehen, Undine, Transit. Er steht für den Arthouse-Film wie kaum ein anderer deutscher Schauspieler inzwischen auch international bekannt.“
In der Vorstellung von Franz Rogowski als Gast nennt Matze Undine als einen der Filme, die ihn begeistert haben und die Rogowskis Ruf als Arthouse-Schauspieler begründen.
Victoria
Sebastian Schipper
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:02:15 „Ich habe gesehen von ihm Ficke Fuchs, ich habe Viktoria gesehen, Undine, Transit. Und ich bin immer begeistert, wenn ich ihn sehe.“
Matze zählt Rogowskis Filmografie auf, um zu verdeutlichen, warum er ihn als Gast eingeladen hat. Victoria ist einer der Filme, die ihn beeindruckt haben.
Passages
Ira Sachs
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:02:19 „Ich habe gesehen von ihm Ficke Fuchs, ich habe Viktoria gesehen, Undine, Transit. und Pässe schützt zuletzt und war immer und bin immer begeistert, wenn ich ihn sehe.“
Matze nennt den Film als letzten in seiner Aufzählung von Rogowski-Filmen. Die Transkription ist verzerrt ('Pässe schützt zuletzt'), gemeint ist sehr wahrscheinlich der Film 'Passages' (2023) von Ira Sachs.
Transit
Christian Petzold
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:02:23 „Ich habe gesehen von ihm Ficke Fuchs, ich habe Viktoria gesehen, Undine, Transit. Und ich habe mich gefragt, wie er das macht, dass er immer genau den richtigen Film auswählt.“
Transit wird als Teil von Rogowskis beeindruckender Filmografie genannt. Matze betont, dass Rogowski ein besonderes Gespür für die Auswahl seiner Projekte hat.
Friction – Eine unkonkrete Dringlichkeit
Franz Rogowski
🗣 Franz Rogowski referenziert bei ⏱ 00:05:10 „Also ich hab mal ein Stück gemacht mit einem Freund, so ein Tanztheaterstück und das Thema des Stückes war die unkonkrete Dringlichkeit. Und das war irgendwie so das Gefühl, mit dem wir ständig durch die Welt gehen.“
Rogowski erzählt von einem Tanztheaterstück, das er mit einem Freund entwickelt hat. Das Stück heißt 'Friction' mit dem Untertitel 'eine unkonkrete Dringlichkeit' und handelt von einem Performer, der sich vor dem Publikum verausgabt und im Scheitern seine eigene Schönheit offenbart – eine Metapher, die Rogowski auf sein eigenes Schuldkonzept überträgt.
In den Gängen
Thomas Stuber
🗣 Franz Rogowski referenziert bei ⏱ 00:14:32 „Zum Beispiel in den Gängen. Da haben wir in Bitterfeld in einem Großmarkt gearbeitet. Da war ich am ersten Tag schon auf so einem Gabelstapler, hab erstmal so ein Schwerlastregal umgefahren, die Leute haben gelacht, waren nett.“
Rogowski erzählt von den Dreharbeiten zu 'In den Gängen' in Bitterfeld, wo er mit den lokalen Großmarkt-Mitarbeitern zusammenarbeitete. Er nutzt die Erfahrung, um zu illustrieren, dass man mit Menschen, die politisch ganz anders denken (AfD-Wähler), trotzdem Gemeinsamkeit und Menschlichkeit finden kann.
Freundeskreis
Freundeskreis
🗣 Franz Rogowski erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:37 „Was hast du gehört? Tupac und Freundeskreis aus Stuttgart, also Tübingen. Die Fugees waren ziemlich groß damals mit ihrem Album.“
Rogowski nennt die Stuttgarter Hip-Hop-Gruppe Freundeskreis als Teil seiner musikalischen Sozialisation als Teenager in Tübingen. Die Nähe zu Stuttgart machte Freundeskreis zur lokalen Größe.
The Score
Fugees
🗣 Franz Rogowski erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:43 „Die Fugees waren ziemlich groß damals mit ihrem Album. Aber ich habe auch so Sachen wie Portishead gehört und alles mit Backstreet Boys.“
Rogowski erwähnt das Album der Fugees als prägend für seine Jugend. Mit 'ihrem Album' ist sehr wahrscheinlich 'The Score' (1996) gemeint, das einzige wirklich große Album der Fugees.
Portishead
Portishead
🗣 Franz Rogowski erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:43 „Aber ich habe auch so Sachen wie Portishead gehört und alles mit Backstreet Boys. Ja, eine wilde Mischung eigentlich.“
Im Rückblick auf seine Teenagerzeit in Tübingen nennt Rogowski die Trip-Hop-Band Portishead als Teil seiner eklektischen Musikmischung, die von Hip-Hop bis Boygroup reichte.
Backstreet Boys
Backstreet Boys
🗣 Franz Rogowski erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:43 „Aber ich habe auch so Sachen wie Portishead gehört und alles mit Backstreet Boys. Ja, eine wilde Mischung eigentlich. Also ich weiß auch, das war wirklich eine wilde Zeit.“
Rogowski gesteht mit einem Augenzwinkern, dass neben Tupac und Portishead auch die Backstreet Boys zu seiner Jugendmusik gehörten – eine Mischung, die er selbst als 'wild' bezeichnet und die seine hormongetriebene Teenagerzeit widerspiegelt.
Slipknot
Slipknot
🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:39:14 „Dann ist dann Slipknot schuld oder Rammstein oder Computerspiele und so weiter. Konntest du die dann auch ein bisschen verstehen?“
Im Gespräch über Schulamokläufe und die Suche nach Erklärungen für solche Taten zählt Matze Hielscher typische Sündenböcke auf, die in der öffentlichen Debatte regelmäßig verantwortlich gemacht werden. Slipknot wird als Beispiel für Musik genannt, die nach solchen Ereignissen pauschal beschuldigt wird.
Rammstein
Rammstein
🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:39:14 „Dann ist dann Slipknot schuld oder Rammstein oder Computerspiele und so weiter. Konntest du die dann auch ein bisschen verstehen?“
Im selben Atemzug wie Slipknot nennt Matze Hielscher Rammstein als weiteres Beispiel für Bands, die nach Schulamokläufen reflexhaft als Mitverursacher herangezogen werden. Die Erwähnung dient als Illustration der oberflächlichen Ursachensuche in der Gesellschaft.
Charlie Parker
Charlie Parker
🗣 Franz Rogowski referenziert bei ⏱ 01:09:39 „Ich habe auch in der U-Bahn Saxophon gespielt und ich glaube, die Leute haben mir da nur Geld in die Tröte geschmissen, damit ich aufhöre, weil die Intonation war wirklich grauenhaft. Aber ich habe es versucht. Ich habe wirklich ernsthaft gedacht, ich könnte Charlie Parker werden.“
Franz erzählt von seiner Suche nach einem Beruf und den verschiedenen Dingen, die er ausprobiert hat. Er beschreibt, wie er in der U-Bahn Saxophon spielte und ernsthaft davon träumte, ein Jazz-Musiker wie Charlie Parker zu werden, bevor er zur Schauspielerei fand.
Love Steaks
Jakob Lass
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:14:17 „Also du hast jetzt nicht irgendwie, da gibt es ja ganz viele Schauspieler, Schauspielerinnen, die dann irgendwo bei irgendeiner Serie irgendwo im MDR oder wo auch immer und dann, aber bei dir war es dann glaube ich Love Stakes, Ficke Fuchs, Viktoria, also eigentlich gleich sehr geschmackvoll ausgewählt.“
Matze Hielscher lobt Franz Rogowskis Fähigkeit, von Anfang an die richtigen Projekte auszuwählen. Er nennt Love Steaks als eines der frühen Werke, die zeigen, dass Rogowski schon zu Beginn seiner Karriere geschmackvolle Entscheidungen getroffen hat. Später im Gespräch wird Jakob Lass als Regisseur improvisierter Mumblecore-Filme genannt, mit dem Rogowski seine ersten Filme gemacht hat.
The Zone of Interest
Jonathan Glazer
🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:20:28 „Ich habe jetzt neulich gesehen, deine Kollegin Sandra Hüller in dem Film, jetzt fehlt mir der Name. [...] Zone of Interest? Nicht Zone of Interest, der andere. Anatomy of a Fall?“
Matze versucht sich an den Namen eines Sandra-Hüller-Films zu erinnern und nennt dabei Zone of Interest, verwirft ihn aber sofort wieder. Der Film wird nur als Zwischenstation auf dem Weg zur eigentlichen Referenz (Anatomy of a Fall) erwähnt.
Anatomy of a Fall
Justine Triet
🗣 Matze Hielscher empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:20:49 „Anatomy of a Fall? Ja. Und da gibt es ja eine unglaubliche Szene, wo sie wahnsinnig, wo es eine Dialogszene gibt, den Streit mit ihrem Mann. Unglaublich viel Text. Wahnsinn, was da passiert.“
Matze bringt Anatomy of a Fall als Gegenbeispiel zu Rogowskis eher wortkargen, körperlichen Spielweise. Er schwärmt von einer Dialogszene, in der Sandra Hüller mit ihrem Filmmann streitet – ein Moment voller Text und Intensität. Franz Rogowski greift das auf und analysiert ausführlich, warum die Textkaskaden in diesem Film funktionieren: Der Gerichtssaal-Kontext und der moralische Druck machen den Text zu einer physischen Eruption, nicht zu bloßer Handlungswiedergabe.
Coffee and Cigarettes
Jim Jarmusch
🗣 Franz Rogowski empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:25:42 „Und wenn du jetzt zum Beispiel, du hast dieses Paar, das unterhält sich und du zeigst die gemeinsam im Bild und die unterhalten sich eine Minute lang einfach zusammen. Coffee and Cigarettes zum Beispiel. Jim Jarmusch. Eine demokratische Schönheit hat, weil alles zusammen koexistiert im Raum und du Zeit hast, selber dich zu bewegen in diesem Bild.“
Franz Rogowski nennt Coffee and Cigarettes von Jim Jarmusch als Beispiel für eine Kamera- und Schnittarbeit, die er bewundert. Er beschreibt den Film als Inbegriff einer 'demokratischen Schönheit': Statt bei jedem Satz zur sprechenden Figur zu schneiden, zeigt Jarmusch Menschen gemeinsam im Bild und gibt dem Zuschauer Raum, sich selbst im Bild zu bewegen.
Bird
Andrea Arnold
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:29:05 „Hast du das jetzt bei Bird auch gemacht, glaube ich. Ich habe es nicht gesehen, aber ich habe das nur in einem Interview von dir gehört, dass da gar kein wirkliches Drehbuch da war.“
Matze spricht Bird an, einen Film mit Franz Rogowski, bei dem das Drehbuch den Schauspielern nicht vorab gegeben wurde. Rogowski bestätigt, dass es ein Drehbuch gab, sie es aber immer nur kurz vorher mitbekamen – was zum Thema Improvisation und Kontrolle im Filmschauspiel passt.
Fack ju Göhte
Bora Dagtekin
🗣 Franz Rogowski erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:32:39 „Ich rede immer wieder von Fuck You Goethe, also ich fand den toll. Hat mir sehr Spaß gemacht.“
Rogowski spricht über den Unterschied zwischen internationalem Arthouse-Kino und Mainstream-Unterhaltung. Er betont, dass seine Vorliebe für Arthouse keine Wertung sei, und nennt Fack ju Göhte als Beispiel für einen Mainstream-Film, den er trotzdem toll fand.
The Hangover
Todd Phillips
🗣 Franz Rogowski erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:32:42 „Oder Hangover fand ich auch wahnsinnig lustig, den ersten Teil.“
Im selben Kontext wie Fack ju Göhte nennt Rogowski den ersten Teil von Hangover als weiteres Beispiel für einen Mainstream-Film, der ihm großen Spaß gemacht hat – obwohl er sich selbst dem Arthouse-Kino zuordnet.