The Carrier Bag Theory of Fiction
Ursula K. Le Guin
Le Guins einflussreiches Essay entwirft ein alternatives Erzählmodell: Die 'Carrier Bag' des Sammelns gegen die 'Jagd'-Narrative des patriarchalen Helden. Sie stellt das zentrale Argument auf, dass Sammeln – nicht Jagen – die kulturelle Grundform war, und hinterfragt damit biologistische Stammesnarrative. Der Essay begründet eine inklusive Empathie, die auch Nichtmenschliches einschließt und eröffnet feministische Alternativen zum linearen Kampfnarrativ.
Erwähnungen (2)
„Ursula K. Le Guin, diese Autorin, Theoretikerin, die auch eben eingeflossen ist im Blutbuch, dann so diesen wichtigen Aufsatz geschrieben hat, die, wieder auf Deutsch, die Tragetaschentheorie der Fiktion, wo sie sagt eben, Leute, also so Fleisch essen war ein kleiner Bestandteil für die längste Zeit des Menschseins, so viel wichtiger war das Sammeln.“
Kim de l'Horizon stellt Le Guins Essay als Gegenentwurf zur patriarchalen Heldenerzählung vor: Statt des linearen Kampfnarrativs – der Held wird gerufen, besteht Abenteuer, kehrt zurück – argumentiert Le Guin, dass das Sammeln viel zentraler war als das Jagen. Kim nutzt den Essay, um biologistische Stammesnarrative zu hinterfragen und ein alternatives Verständnis von Empathie zu entwickeln, das auch Nichtmenschliches einschließt. Der Essay ist laut Kim auch ins Blutbuch eingeflossen.
„Ist eben die Erzähltheorie von Ursula K. Le Guin, die sogenannte Carrier-Back-Theory of Fiction, wo sie mal in einem Essay beschrieben hat, dass eigentlich das Erzählen, wie sie es sich vorstellt, eher so ein Sammeln ist von verschiedenen Begebenheiten, die dann mehr so zusammenhängen, während das andere Erzählen ist das Erzählen des Jägers, der sozusagen gezielt so ein Pfeil irgendwo hinschießt.“
Lars Weisbrod erklärt Le Guins Erzähltheorie als den eigentlichen Grund für ihre aktuelle Popularität unter jungen Schriftstellern und Akademikern. Der Literaturtheoretiker Moritz Basler habe in der FAS bestätigt, dass diese Theorie der letzte Schrei sei. Erzählen als Sammeln statt als zielgerichtete Jagd – das sei fast schon ein Klischee in der Berliner Literaturszene.
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