Rezension zu Kairos
Helmut Böttiger
Jenny Erpenbecks Roman „Kairos" erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem älteren Schriftsteller Hans W. und der jungen Kostüm- und Bühnenbildnerin Katharina in der späten DDR. Hans verkörpert den widersprüchlichen intellektuellen Dissidenten – sozialistisch gesinnt, doch voller Zweifel – während Katharina die aufgewachsene DDR-Generation repräsentiert, die das System als selbstverständlich nimmt. Ihre Beziehung wird als existenzielle Utopie dargestellt, durchtränkt vom Bewusstsein ihrer Vergeblichkeit und durchdrungen von den kulturellen Symbolen der Ostberliner Szene: Heiner Müllers Theater, Brechts Werke, die Cafés und Restaurants wie das Weinrestaurant Ganymed. Der Roman dient Erpenbeck als radikale Selbstvergewisserung ihrer eigenen DDR-Erfahrung und dokumentiert eine Kulturatmosphäre, die dem Westen nach 1989 zunehmend fremder wurde – nicht als Schlüsselroman, sondern als subjektive Zeugnisablegung über eine untergegangene Welt.
Erwähnungen (1)
„Der Kritiker Helmut Böttiger in der Süddeutschen Zeitung war schon der Kritischste, fand ich sehr interessant. Er hat nämlich mehr oder weniger geschrieben, was ich interessant fand, dass ein Bild, eine Stimmungslage der DDR selbst, dadurch, dass hier so ein Sondermilieu beschrieben wird, einfach nicht aufgefangen wird.“
Adam Soboczynski zitiert die Kritik von Helmut Böttiger in der Süddeutschen Zeitung als die pointierteste unter den Rezensionen zu Erpenbecks Kairos. Böttigers Einwand: Durch die Fokussierung auf das DDR-Intellektuellenmilieu werde die tatsächliche Stimmungslage der DDR-Bevölkerung nicht eingefangen.
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Titanic, British luxury passenger liner that sank on April 14–15, 1912, during its maiden voyage, en route to New York City from Southampton, England, killing about 1,500 people. One of the most famous tragedies in modern history, it inspired numerous works of art and has been the subject of much scholarship.
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