Doktor Faustus
Thomas Mann
Auf der Grundlage des Faust-Stoffes hat Thomas Mann in seinem 1947 erschienenen Musiker-Roman eine Parabel für die Verstrickung des Künstlertums in die politische Katastrophe des Nationalsozialismus geschaffen. Kein anderer Roman dieses Autors ist dermaßen kontrovers und erhitzt diskutiert worden - noch Jahrzehnte nach seinem Erscheinen. In der Textfassung der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe (GKFA), mit Daten zu Leben und Werk.
Erwähnungen (5)
„Also da saß er gleichzeitig an seinem Dr. Faustus, deshalb kommt da die Metapher der Teufelsliste ins Spiel. Dass er eben sagt, man kann halt nicht so klar sortieren, hier sind die guten deutschen Tugenden, also da sind die harmlosen Züge des Deutschen.“
Thea Dorn erwähnt, dass Thomas Mann parallel zur Rede 'Deutschland und die Deutschen' am 'Doktor Faustus' arbeitete. Die Faustus-Metapher der Teufelsliste fließt in die Rede ein – beide Werke kreisen um die Frage, wie deutsche Tugenden in ihr Gegenteil umschlagen können.
„Und dann gab es den Brief, wo ich also erstmal den Faustus, den Wert des Faustus, das war der große Roman, mit dem sich Thomas Mann über das Deutschtum auseinandergesetzt hat. Und dann habe ich eben zu dem Forsthaus geschrieben, dass mir das ja augenöffnend war.“
Baum erzählt, wie er als 20-Jähriger Thomas Mann einen Brief schrieb, in dem er den Doktor Faustus als 'augenöffnend' für sein Verständnis des Deutschtums bezeichnete. Der Roman war für Baum Thomas Manns große Auseinandersetzung mit der deutschen Identität und wurde zum Anlass für den Briefkontakt.
„Und das ist eben sein ganzes Leben, das sieht man ja auch bis zum Dr. Faustus, wo eben eine Lübeck-ähnliche Stadt ja auch wieder entworfen wird, dass das für ihn eigentlich sozusagen die Wiege seines Schreibens bleibt.“
Alexander Cammann führt den Doktor Faustus als Beleg dafür an, dass Thomas Manns Verwurzelung in Lübeck sein gesamtes Lebenswerk durchzieht – selbst in seinem Spätwerk entwirft er noch eine Lübeck-ähnliche Stadt als Handlungsort. Das unterstreicht die These des Essays, dass Manns Herkunft die bleibende Quelle seines Schreibens war.
„Hier wäre das deutsche Parallelbuch ein bisschen auch Dr. Faustus von Thomas Mann, wo es ja auch um den Teufel und um sein Wirken geht. Bei deutschen Intellektuellen und in den Köpfen von deutschen Künstlern.“
Alexander Cammann vergleicht Bulgakovs Meister und Margarita mit Thomas Manns Dr. Faustus und kommt zu dem Schluss, dass Bulgakov deutlich moderner ist. Bei Mann sei der Teufel 'mittelalterlich' und 'altväterlich' – symbolisiert durch das Dämonische und Erotische –, während Bulgakov fantastisch und satirisch arbeite und den Teufel als ambivalente Kraft zeige.
„Der Dr. Faustus kommt hier ein bisschen schlechter weg, als er in Wahrheit ist. Das Buch, da steckt schon wahnsinnig viel drin und es ist enorm geballter Deutschlandroman, geballter Künstlerroman, also den sollte man wirklich irgendwann mal lesen.“
Der Sprecher verteidigt den 'Doktor Faustus' gegen eine im Gespräch entstandene Geringschätzung. Er beschreibt den Roman als gewaltigen Deutschland- und Künstlerroman, in dem deutsches Schicksal, Kunst und Verbrechen verwoben sind, mit dem Komponisten Adrian Leverkühn als tragischem Protagonisten.
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