Deutschland schafft sich ab
Thilo Sarrazin
"Deutschland schafft sich ab" löste 2010 bei seinem Erscheinen eine heftige gesellschaftspolitische Debatte aus. Es gab Versuche, den Inhalt zu skandalisieren, den Autor moralisch in die Ecke zu stellen und die inhaltlichen Argumente, die das Buch tragen, lächerlich zu machen. Von den Vorschlägen zur Abhilfe, die er in dem Buch machte, hat die deutsche Politik wenig bis gar nichts umgesetzt.
Erwähnungen (6)
„Sie haben auch sogar mal Thilo Sarrazin verteidigt. Tut Ihnen das heute eigentlich leid?“
Gauck distanziert sich von Sarrazins Werk: Er habe zwar kritische Punkte gesehen, aber erkannt, dass neben Ratio auch Ressentiment die Argumentation präge
„Leid tut es mir, weil ich in den Punkten, wo er durchaus kritische Anmerkungen macht, nicht nur Ratio sehe, sondern auch Ressentiment. Und ressentimentgeladene Argumentation ist keine gute Argumentation. Und dadurch sind die Daten, die er bringt, beschädigt.“
Christoph Amend konfrontiert Gauck damit, dass er einst Thilo Sarrazin verteidigt habe. Gauck räumt ein, dass er Sarrazins Recht auf offene Debatte verteidigte, sich aber später distanzierte, weil er in Sarrazins Argumentation nicht nur sachliche Kritik, sondern auch Ressentiment erkannte. Das berühmteste Sarrazin-Buch wird nicht beim Titel genannt, ist aber eindeutig gemeint.
„Also wir würden uns, wenn diese Entwicklung so weitergehen würde, das bin ich ja jetzt nicht ganz sicher, ob das so ist, ich will jetzt mal nicht schwarzmalen, Aber wenn diese Tendenzen sich so in dem gleichen Tempo weiter verstärken würden, wie sie das zuletzt gemacht haben, dann würden wir uns selbst abschaffen. Also der Satz von Sarrazin, Deutschland schafft sich ab, der würde sich nicht in erster Linie auf die Frage beziehen, die Sarrazin im Auge hatte.“
Precht greift Sarrazins bekannten Buchtitel auf, um ihn in einen neuen Kontext zu setzen: Nicht die ethnische Zusammensetzung Deutschlands sei das Problem, sondern der Verlust von Gemeinsinn durch narzisstische Smartphone-Nutzung bedrohe liberale Demokratien. Er nutzt die Formulierung als rhetorisches Mittel für seine eigene These.
„Auch weil das Buch von Sarrazin Deutschland schafft sich ab, dann damals erschien. Ich glaube, das erschien 2010. Aber schon vorher gab es diese Diskussion.“
Mangold nennt Sarrazins Buch als zeithistorischen Marker für die Islamkritik-Debatte, in der sich die Antideutschen auf die Seite der scharfen Islamkritik schlugen. Es dient als Referenzpunkt, um die Spannungen zwischen verschiedenen linken Positionen zur Islamkritik einzuordnen.
„Und es hat mich ein bisschen an diese Sarrazin, an diesen Eklat von 2010 erinnert, wo das große Schlagwort noch Integration war. Da war es noch so, als dieses Deutschland schafft sich ab rausgekommen ist, da haben sie alle nach Integration gegiert förmlich.“
Tahsim Durgun zieht eine Parallele zwischen der aktuellen Migrationsdebatte im Bundestagswahlkampf 2025 und dem Sarrazin-Eklat von 2010. Er kritisiert, dass damals wie heute nur über Integration diskutiert wurde, ohne sie tatsächlich zugänglich zu machen – nur dass der Ton inzwischen von ‚integriert euch' zu ‚verpisst euch' gewechselt habe.
„Und diese Tabuisierung ist aufgehoben worden mit der ganzen Thilo Sarrazin-Debatte. Man wird ja noch so sagen dürfen, das war eine Kampagne von der Bild-Zeitung, aber auch Spiegel hat mitgemacht. Und das Buch ist ja im Bertelsmann Verlag erschienen, größter Medienkonzern.“
Kemper beschreibt Sarrazins Buch als den entscheidenden Tabubruch, der rassistische Positionen in der breiten Öffentlichkeit sagbar gemacht habe. Er sieht das Buch nicht als isoliertes Werk, sondern als Teil einer Medienkampagne von Bild, Spiegel und Bertelsmann, die den Boden für den späteren Aufstieg der AfD bereitet habe.
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