Das Licht, das erlosch
Ivan Krastev
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde das liberal-demokratische Modell westlicher Prägung alternativlos. Heute zerbrechen weltweit Demokratien vor unseren Augen, zersetzt von Populismus, Nationalismus und der Abkehr von freiheitlichen Werten - gerade auch in Osteuropa. Warum hat der Westen seine Strahlkraft verloren? In ihrer brillanten Analyse zeigen Ivan Krastev und Stephen Holmes, dass das seinerzeit ausgerufene »Ende der Geschichte« in Wahrheit ein Zeitalter der Nachahmung einläutete.
Erwähnungen (6)
„Ich würde dir gerne zum Schluss noch etwas mitgeben, was ich von Ivan Krastev, den du kennst, das Licht, das Erlosch, großartiges Buch über das Ende des Ostblocks sozusagen, der hat in der Süddeutschen Zeitung jetzt einen Artikel veröffentlicht.“
Am Ende der Folge empfiehlt Markus Lanz das Buch von Ivan Krastev als Hintergrundlektüre zur aktuellen geopolitischen Lage. Er bezeichnet es als 'großartiges Buch' über das Ende des Ostblocks und leitet damit zu einem Krastev-Artikel über, der die Unübersichtlichkeit der aktuellen Ukraine-Krise mit einer Anekdote aus dem Ersten Weltkrieg illustriert.
„Und ich habe von Ivan Krastev, den du glaube ich auch sehr schätzt, der dieses großartige Buch gemacht hat, schon vor ein paar Jahren, Das Licht, das erlosch. Über den Zusammenbruch nicht nur der Sowjetunion, sondern des ganzen Ostblocks und die Frage, wie wir neue Nationalismen plötzlich haben und über neue Grenzzäune erstehen. Das ist ein ganz großartiges Buch.“
Lanz bringt Krastevs Buch ins Gespräch, um die These zu untermauern, dass die Ära der rein ökonomisch getriebenen Globalisierung vorbei ist. Er zitiert anschließend Krastevs Spiegel-Interview, in dem dieser Business-School-Wissen mit dem wissenschaftlichen Sozialismus von 1990 vergleicht – beides überholt. Lanz empfiehlt das Buch als hellsichtige Analyse der post-sowjetischen Ordnung.
„Ivan Krastev, der bulgarische Politologe, bei dir zu Besuch. Das klingt jetzt so fürchterlich abgehoben und intellektuell, aber der hat ein paar ganz tolle Bücher gemacht. Das Licht, dass er los ist, glaube ich, ist ein berühmtes Buch, wo er beschreibt, ich erinnere noch den Einstieg, wie er einfach mal darauf hinweist und sagt, in welcher Welt wir eigentlich leben.“
Markus Lanz empfiehlt das Buch des bulgarischen Politologen Ivan Krastev, das sich mit der wachsenden Zahl von Grenzanlagen weltweit beschäftigt. Lanz erinnert sich an den Einstieg des Buches, der aufzeigt, wie paradox unsere globalisierte Welt ist: Während wir von Offenheit reden, werden immer mehr Grenzzäune errichtet — von 16 zur Zeit des Mauerfalls auf mittlerweile rund 70.
„Es gibt auch so ein wunderbares Buch von dem, Das Licht, das Erlosch. Das ist ein knaller Buch, ein bulgarischer. Das bulgarische lehrt, glaube ich, mittlerweile in Wien.“
Markus Lanz empfiehlt das Buch des bulgarischen Intellektuellen Ivan Krastev im Kontext der Diskussion über den Ukraine-Krieg. Krastev vertritt darin die These, dass Kriege an der Wahlurne enden, und Lanz nutzt das Buch als Ausgangspunkt für die Frage, ob die Wahlen 2024 in Russland und den USA den Krieg beeinflussen könnten.
„Darüber bin ich ja selber über diesen Mann irgendwann gestolpert, in diesem großartigen Buch »Das Licht, das erloscht«, damit ist er ja so international berühmt geworden. Und da findet sich diese ganz nüchterne Betrachtung, als die Mauer fiel, gab es weltweit 16 Grenzzäune, heute sind es, das Buch ist aus 2017 glaube ich, 65, die entweder schon im Betrieb oder im Bau sind.“
Markus Lanz erzählt, wie er auf den bulgarischen Politologen Ivan Krastev aufmerksam wurde – nämlich durch dessen Buch, das die Krise der liberalen Demokratien nach 1989 analysiert. Er zitiert daraus die eindrucksvolle Statistik über die Zunahme von Grenzzäunen weltweit als Beleg dafür, dass sich die Welt trotz Mauerfall nicht geöffnet, sondern wieder abgeschottet hat.
„Ich weiß, dass Ivan Krastev, den du ja schon mehrfach zum Interview getroffen hast, der bulgarische Politologe, der in Wien lehrt, glaube ich, der hat schon in diesem berühmten Buch, Das Licht, das Erlosch, und da ist mir das erste Mal so richtig aufgegangen, darüber geschrieben, dass wir eigentlich seit dem Mauerfall, seit der Wiedervereinigung, seit dieser sehr optimistischen Art und Weise, die Welt zu sehen, seitdem haben wir eigentlich immer mehr Grenzen aufgebaut.“
Lanz führt das Buch als Schlüsselwerk ein, das ihm die Augen geöffnet hat: Entgegen dem optimistischen Narrativ nach 1989 – Mauerfall, Schengen, grenzenlose Freiheit – sind weltweit immer mehr Grenzen entstanden. Krastevs These bildet die intellektuelle Grundlage für das gesamte Gespräch über die Paradoxie zwischen dem Versprechen einer grenzenlosen Welt und der Realität tausender neuer Kilometer an Mauern und Zäunen.
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