Burgtheater
Elfriede Jelinek
Elfriede Jelinek untersucht in ihrer 1985 uraufgeführten Posse „Burgtheater" die Verstrickungen der Wiener Staatstheater-Institution in der NS-Zeit und deren unkritischen Übergang zur Nachkriegsrepublik. Das Stück nimmt sich der Karrieren von Schauspielern wie Paula Wessely und der Brüder Hörbiger vor, die trotz ihrer NS-Vergangenheit unbeschadet ihre Karrieren fortsetzten. Jelinek zeigt durch verfremdetem Wiener Dialekt und scharfzüngige Satire, wie die Nazi-Propagandasprache nahtlos in die kitschige Heimatfilmästhetik der Fünfzigerjahre überging – ein Sumpf aus Deutschtümelei und Patriotismus, der nach 1945 nie wirklich aufgearbeitet wurde. Die Autorin nutzt das Stück als ideologiekritisches Instrument, um diese sprachliche und moralische Kontinuität bloßzulegen.
Erwähnungen (1)
„Ich hatte jetzt so eine Arbeit in Wien am Theater, das Stück Burgtheater von Elfriede Jelinek mit Melo Rau. Und da hatte ich so den Plot, dass ich als 13-Jährige mit meinem Vater tatsächlich in der Uraufführung war und mich da sehr gut dran erinnern konnte. Und dann haben wir ein Video bekommen von dem Theater in Bonn, wo das lief. Und das war vollkommen anders.“
Caroline Peters erzählt von ihrer jüngsten Theaterarbeit an Elfriede Jelineks 'Burgtheater' in einer Inszenierung von Milo Rau. Dabei entdeckte sie, dass ihre eigene Erinnerung an die Uraufführung, die sie als 13-Jährige mit ihrem Vater in Bonn besuchte, nicht mit der Realität übereinstimmt — ein Videomitschnitt bewies das Gegenteil. Peters nutzt dieses Erlebnis als Argument dafür, dass selbst die eigenen Erinnerungen konstruiert sind und man in Familien großzügiger mit unterschiedlichen Erzählungen umgehen sollte.
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