Buddenbrooks
Thomas Mann
In den "Buddenbrooks" führt Thomas Mann uns mitten hinein in das Leben einer Familie, deren Glanz und Selbstsicherheit lange unerschütterlich scheinen. Doch hinter den schweren Türen des Lübecker Hauses liegen verborgene Spannungen, persönliche Träume und Enttäuschungen, die kaum ausgesprochen werden dürfen.
Erwähnungen (12)
„Ich weiß, dass ich ganz früh noch im Gymnasium mal angefangen habe, Thomas Mann zu lesen, auch auf Anregung dieser Lehrerin. Ich weiß gar nicht mehr, was es war. Vermutlich waren es die Buddenbrocks, wahrscheinlich war es sogar Schullektüre.“
Steinmeier erzählt von seiner Lesebiografie und wie seine strenge Deutschlehrerin Frau Ullmann ihm Lesevorschläge machte. Die Buddenbrooks waren vermutlich Schullektüre und sein erster Kontakt mit Thomas Mann, den er später im Studium als seinen Lieblingsautor wiederentdeckte – auch wenn er das Buch in der Schulzeit nicht mit Begeisterung las, weil man wusste, dass die nächste Arbeit darüber geschrieben wird.
„Zum Beispiel, wenn man die Erstausgabe von Thomas Manns Buddenbrocks kauft, könnte man ja auch sagen, was hat man davon, man kann ja das Taschenbuch kaufen und dann liest man den gleichen Roman. Naja, aber es gibt eben in der menschlichen Seele so etwas wie die Sammlerleidenschaft und auch das Bedürfnis, in einer herausgehobenen und singulären Weise an einem Nimbus teilzuhaben, der einem selber viel bedeutet.“
Ijoma Mangold zieht die Erstausgabe der Buddenbrooks als Analogie heran, um das Prinzip der NFTs zu erklären. Sein Argument: So wie ein Thomas-Mann-Fan irrational viel für eine Erstausgabe zahlt, obwohl der Text im Taschenbuch identisch ist, zahlen NFT-Käufer für die zertifizierte Einzigartigkeit eines digitalen Objekts – in beiden Fällen geht es um Sammlerleidenschaft und die Teilhabe an einem Nimbus.
„Ich glaube, wir wollen alle nicht mehr vor 100 oder 150 Jahren leben. Der alte Wuttenbrocks stirbt an einem veralterten Zahn.“
Schätzing verweist beiläufig auf die Buddenbrooks von Thomas Mann – im Transkript als 'Wuttenbrocks' verschrieben –, um zu illustrieren, dass technologischer Fortschritt (etwa in der Medizin) das Leben fundamental verbessert hat. Ohne Technologie hätte man wie der alte Buddenbrook an einem faulen Zahn sterben können. Das Argument dient seiner Verteidigung von Technologie als Werkzeug gegen den Klimawandel.
„Ijeoma würde jetzt wahrscheinlich das mit den Erzählern im 19. Jahrhundert vergleichen oder vielleicht, was oft gemacht wird mit den Buddenburgs oder so“
Thomas Manns Buddenbrooks werden als klassischer literarischer Vergleich für den Verfall einer reichen Familie herangezogen
„Du hast ja einmal das naheliegende auch genannt, die Buddenbrooks. Was mir da einfiel, es gibt ja dort den, ich glaube er heißt Hanno, sozusagen den Thronfolger oder den Erben, der zu verweichlicht ist.“
Nina Pauer greift den zuvor von Lars Weisbrod eingebrachten Vergleich mit den Buddenbrooks auf und fragt, ob es in Succession eine Hanno-Figur gibt – also einen Erben, der zu verweichlicht für die Nachfolge ist. Sie stellt fest, dass Logan Roy als Self-Made-Man seine Erbenkinder dafür verachtet, dass sie per Definition keine sein können, was den Vergleich mit Thomas Manns Verfallsgeschichte nahelegt.
„die Buddenbrooks Weihnachten von Thomas Mann sind quasi die Auserzählung dieser ikonografischen Darstellung, wie die Luthers Weihnachten feiern“
Die Weihnachtsszene der Buddenbrooks wird als literarische Fortführung des lutherischen Familien-Weihnachtsbildes beschrieben
„Also wenn ich an Weihnachten denke und an diese heile, heilige Familie, muss ich immer an die Buddenbrooks denken. Innerlich öffnet sich die Flügeltür bei mir. Ich habe es vor Ewigkeiten gelesen, aber es öffnet sich eine großbürgerliche Flügeltür und man läuft hinein in das Licht, die große Flügeltür.“
Nina Pauer beschreibt die enorme kulturelle Kraft der Buddenbrooks-Weihnachtsszene: Obwohl sie selbst nicht aus einer Großfamilie stammt und keine Flügeltüren hatte, fühlt sich Thomas Manns Beschreibung fast wie eine eigene Kindheitserinnerung an. Allein das Triggerwort 'Lübeck' löse bei ihr diesen inneren Film aus. Das Gespräch kreist um die Macht von Kulturprodukten, Erinnerung und Weihnachten zu prägen.
„Ich dachte oft auch an die Buddenbrooks. Ja, natürlich. Also dieser Philipp, dieser reiche Bürger, ist für mich natürlich auch ein Buddenbrock, ein Erbe, der schon nicht mehr weiß, was mit dem Erbe anzufangen ist, der eigentlich nicht mehr weiß, wo das Leben noch hingehen kann.“
Iris Radisch zieht im Gespräch über Julien Greens 'Treibgut' eine Parallele zu Thomas Manns 'Buddenbrooks'. Die Hauptfigur Philipp erinnere sie an einen Buddenbrook — ein reicher Erbe, der nicht mehr weiß, was mit seinem Erbe anzufangen ist, und spürt, dass seine Zeit zu Ende geht. Beide Bücher teilen das Motiv der Endzeitstimmung einer bürgerlichen Klasse.
„Vielleicht sogar, naja, Bodenbrucks gibt es, vielleicht sogar der bekannteste.“
Wird kurz als Vergleich erwähnt, um die Bekanntheit des Zauberbergs einzuordnen.
„Also natürlich hätte Thomas Mann schon für Budenbrooks den Nobelpreis, aber niemand kriegt für sein Debütroman einen Nobelpreis. Und Gras hätte natürlich den Nobelpreis auch schon 20 Jahre früher für die Blechtrommel kriegen können.“
Eva Menasse reflektiert darüber, dass Schriftsteller große Preise oft nicht für ihr bestes Buch bekommen, sondern später als eine Art nachträgliche Anerkennung. Sie nennt Thomas Manns Buddenbrooks als Beispiel dafür, dass Debütromane selten sofort mit dem Nobelpreis gewürdigt werden.
„Er fängt eben so an, dass er nochmal daran erinnert, seinen großen Erfolg, seinen ersten großen Roman, die Buddenbrocks in der Jahrhundertwende, veröffentlicht ganz in der alten Lübecker Zeit, der alten Patrizier-Zeit, noch wurzelnd, aber schon die Auflösung, den Verfall dieses alten Patrizier-Bürgertums schildernd.“
Die Buddenbrooks werden im Zusammenhang mit dem besprochenen Essay mehrfach erwähnt – sowohl als Leseempfehlung ('nochmal die Buddenbrooks zu lesen') als auch als zentrales Beispiel dafür, wie Mann durch tiefes Eintauchen ins Lokale die 'Seelengeschichte des europäischen Bürgertums' erzählt habe. Mann selbst sei durch die Lektüre internationaler Literatur wie der Brüder Goncourt zur Buddenbrooks-Idee gekommen.
„Stimmt, in den Buddenbrocks, gleich am Anfang.“
Nina Pauer wirft ein, dass auch bei Thomas Mann Sprachwechsel vorkommen. Ijoma Mangold bestätigt dies und verweist auf die Buddenbrooks, wo gleich am Anfang französische Passagen eingestreut sind – ein weiteres Beispiel für das historische Code-Switching der gebildeten Oberschicht.
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